Drohendes Termin-Fiasko am BBI war bekannt
Der Berliner Großflughafen BBI wird höchstwahrscheinlich nicht rechtzeitig fertig. Schuld daran soll die Insolvenz der für den Innenausbau verantwortlichen Firma sein. Diese Risiken sollen der Flughafengesellschaft schon seit 2009 bekannt gewesen sein. Jetzt drohen nicht nur die Verschiebung der Eröffnung, sondern auch steigende Kosten.
Im Fall der drohenden Verzögerung bei der Eröffnung des Großflughafens BBI ist eine interne Debatte darüber ausgebrochen, wer die Schuld trägt und für die zusätzlichen Kosten aufkommen muss. Nach Informationen Morgenpost Online soll die Flughafengesellschaft bereits 2009 von den Risiken gewusst haben. Am Sonnabend war bekannt geworden, dass sich der BBI-Start um bis zu ein Jahr verschieben könnte, weil die Planungen für den Terminal-Innenausbau weit hinter dem Zeitplan zurückliegen. Grund sei die Insolvenz der verantwortlichen Firma Ingenieurgesellschaft Kruck.
Wie es allerdings in gut informierten Kreisen heißt, hätten nicht erst bei der Insolvenz die Alarmglocken läuten müssen. Bereits 2009 hätte sich ein Rückstand bei den Planungen abgezeichnet, hieß es. Die Flughafengesellschaft soll aber immer noch geglaubt haben, den Zeitverzug in den Griff bekommen zu können. Auch die Firma CBP München, die mit der Gesamtprojektsteuerung beauftragt ist, soll nach Morgenpost-Informationen trotz eindeutiger Hinweise auf Missstände nicht rechtzeitig reagiert haben. CBP hatte vor elf Tagen einen Brief an die Flughafenleitung geschrieben und darauf hingewiesen, dass der Eröffnungstermin nicht zu halten sei.
Intern werden auch Vorwürfe gegen den damaligen Bereichsleiter für die Planung und den Bau des BBI laut. Dieser hatte Ende 2009 die Flughafengesellschaft verlassen. Er soll absehbare Planungsverzögerungen nicht zum Thema gemacht haben. Erst sein Nachfolger habe sich mit der Planungsgemeinschaft BBI (pg bbi) wegen möglicher Verzögerungen in Verbindung gesetzt, heißt es in gut informierten Kreisen. Zur pg bbi gehören die Architektenbüros gmp sowie JSK International Architekten und auch die inzwischen insolvente Firma Kruck.
Die Flughafengesellschaft äußerte sich gestern nicht zu der Pannenserie. Der Generalplanerauftrag war 2004 nach europaweiter Ausschreibung an die pg bbi gegangen. Man habe im Vorfeld auch „die Zahlungskräftigkeit und die wirtschaftliche Solvenz“ der Planungsgemeinschaft und damit auch die der Firma Kruck geprüft, sagte Sprecher Ralf Kunkel gestern.
Neben der Frage der Schuld stellt sich auch die der höheren Kosten. Fachleute gehen davon aus, dass die pg bbi haftet, wenn sie die beauftragten Leistungen nicht rechtzeitig erbringt. Gmp-Chef Meinhard von Gerkan hat offenbar inzwischen einen Teil der Kruck-Planer übernommen. Der Berliner Morgenpost sagte er, er habe extra eine weitere Etage in seinem Berliner Sitz an der Hardenbergstraße hinzugemietet.
Die Kosten könnten entweder durch die verlängerte Bauzeit steigen oder dadurch, dass die Gesellschafter Berlin, Brandenburg und der Bund Geld zuschießen, um die Bauarbeiten zu beschleunigen und so die Verzögerung doch noch abzuwenden.
Wieviel wusste der Senat?
Unklar ist bislang, wie viel der Senat von der drohenden Verschiebung des Eröffnungstermins wusste. Aus gut informierten Kreisen heißt es, die Gesellschafter und der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Wowereit seien auf der letzten Aufsichtsratsitzung Ende März über die Risiken durch die Kruck-Insolvenz informiert worden. Der Regierende Bürgermeister und der Senat dagegen wollen von den möglichen Verzögerungen nichts gewusst haben. „Der Senat hat keine Kenntnis von Verzögerungen“, sagte gestern der Sprecher von Senatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Insofern würde man auch nicht spekulieren, welche Auswirkungen eine BBI-Verzögerung auf den Betrieb des Flughafens Tegel haben könnte.
Bislang galt, dass Tegel unmittelbar nach Inbetriebnahme des Großflughafens am 30. Oktober 2011 geschlossen wird. Sollte der BBI allerdings später an den Start gehen, müsste auch Tegel länger offen gehalten werden. Der Konsensbeschluss von 1996 lässt das auch zu. Darin heißt es, dass Tegel sechs Monate nach Inbetriebnahme der neuen BBI-Start- und Landebahn zu schließen ist. Auch die planungsrechtliche Entwidmung wird erst dann wirksam, wenn dort der Flugbetrieb endgültig eingestellt ist. Insofern hätte eine spätere Fertigstellung des neuen Hauptstadtflughafens für den Flugverkehr keine Auswirkungen
Quelle: Morgenpost, 31.05.2010




