Berlin zuerst! Unser Bürgermeister Klaus Wowereit Ich denke, Klaus Wowereit findet an der SPD-Erneuerung große Freude. Aber ich mahne den Bürgermeister: Berlin zuerst!
Unser Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit ist im Gespräch, Vize-Chef der Bundes-SPD zu werden. Er hat nicht dementiert, also gehen wir davon aus, dass er gewählt werden will. Möchte er auch Bundeskanzler werden? Das ist nicht sicher. Sicher ist, dass Wowereit der SPD zu einem Linksruck verhelfen will. Das steht in einer Resolution der Berliner SPD geschrieben, an der er mitgewirkt hat. Diese Resolution drückt sich interessanterweise um die eigentlich wichtige Frage herum, warum die Berliner SPD größere prozentuale Verluste erlitten hat, als die Bundes-SPD. Die Berliner SPD hat ja den Linksruck schon hinter sich und regiert mit der Linkspartei (alias PDS, alias SED) zusammen. Linker geht es nicht! Welchen Grund hatten die Berliner also, die Partei ihres Bürgermeisters am letzten Sonntag um 14,1 Prozent schrumpfen zu lassen? Ich weiß es nicht. Die Zeichen mehren sich aber, dass sich die Berliner von Wowereit nicht mehr gut behandelt fühlen. Immer öfter höre ich: „Dem Herrn Wowereit ist doch Berlin egal.“
Nun will er sich der Bundes-SPD zuwenden. Wie ich ihn kenne, wird ihm das mehr Freude bereiten, als die harte Bürgermeister-Arbeit. Aber gehen wir der Frage nach, ob es stimmt, dass er sich nicht um unsere Sorgen kümmert. Ich nehme das Beispiel S-Bahn und stelle fest, dass er seit dem Zusammenbruch des Zugverkehrs zwar viel auf die Deutsche Bahn geschimpft, aber sich seiner eigenen Verantwortung nicht gestellt hat. Er wirkt wie ein Zuschauer in dem Desaster, der sich für nicht zuständig erklärt, wenn es zum Beispiel um die Entschädigung der Fahrgäste geht oder um die Frage, in wessen Hände man die S-Bahn geben könnte.
Oder nehmen wir die linken Brandstifter, die 2009 schon 225 Autos angezündet und sogar schon Brandanschläge auf Wohnhäuser verübt haben. Kein Wort hat der Bürgermeister zu dieser großen und ernsten Bedrohung unserer Sicherheit verloren! Er schweigt! Er schweigt auch, wenn unsere Kindergärten zu Aufbewahrungsanstalten verkommen, weil viel zu wenige Erzieher viel zu große Kindergruppen betreuen. Interessiert es ihn, dass die viel besungene vorschulische Bildung in den meisten Kitas gar nicht vermittelt werden kann? Weiß er, was das bedeutet?
Weiß der Regierende Bürgermeister, wie viele Berliner mehr Polizisten auf den Straßen und Plätzen und in der U-Bahn sehen wollen? Weiß er, dass die Zahl der Polizisten nicht ausreicht, um diese Präsenz zu zeigen?
Oder nehmen wir den Arbeitsmarkt: Berlin fehlen 370000 Arbeitsplätze. Hat der Regierende Bürgermeister eine industriepolitische Idee, wie man die Wirtschaft nach Berlin locken könnte? Nein, die hat er nicht. Er lässt es aber geschehen, dass die Wirtschaft vergrault wird. Er ließ das Investitionsprojekt Mediaspree versinken, ohne einen Finger zu rühren, er stellte sich allen sinnvollen Plänen für den Flughafen Tempelhof in den Weg, er sieht zu, wie im Rahmen einer rigoros eingeführten Umweltzone sozial schwache Familien und kleine Unternehmer ihr Auto und ihre Arbeit verlieren. Da greift er nicht ein, da ergreift er nicht das Wort für die Verlierer.
Zugegeben, es ist ein ganz harter Job, in Berlin Bürgermeister zu sein. Wenn man die Probleme ernst nimmt, die diese Stadt in Stücke reißen, dann kann man schier verzweifeln. Wowereit wurde aber nicht ins Amt des Bürgermeisters gezwungen. Meines Wissens nach hat er sich regelrecht in dieses Amt gedrängt. Er hat mit harten Bandagen gekämpft und seinen Vorgänger Eberhard Diepgen aus dem Roten Rathaus gejagt, um sich selber wählen zu lassen. Da war er zäh und unerbittlich. Dieses Ziel war ihm alle Mühe wert, da war ihm keine Nacht zu kurz. Genau diese Energie wird er jetzt an den Tag legen, um in der Bundes-SPD ganz nach oben zu kommen. Da wird er ächzen und kämpfen, wie er nie gekämpft hat, wenn es um Berlin ging. Herr Wowereit sollte ehrlich sein und zur Berliner Wahl 2011 nicht mehr als Bürgermeister kandidieren. Wir haben einen anderen verdient, einen, der sich um uns kümmert. Berlin zuerst!
30. September 2009 20.56 Uhr,
Gunnar Schupelius; BZ Berlin



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