Saturday, 26. June 2010
BBI-Verzögerung kostet 138 Millionen Euro mehr
Der Berliner Großflughafen in Schönefeld wird sieben Monate später eröffnet als geplant. Er soll nun am 3. Juni 2012 in Betrieb gehen, teilte die Flughafengesellschaft am Freitag nach einer Aufsichtsratssitzung in Schönefeld mit. Bisher war der 30. Oktober 2011 als Eröffnungstermin vorgesehen. Damit verschiebt sich parallel auch die Stilllegung des Flughafens Berlin-Tegel.
Weitere sieben Monate werden benötigt, um das mit einem Volumen von 2,5 Milliarden Euro größte Infrastrukturprojekt von Berlin und Brandenburg abzuschließen. Mehrere Zeit- und Kosten-Szenarien wurden bei der Kalkulation gegenübergestellt. Dahinter stand die Erkenntnis der Planer, dass ein langsameres Bautempo nicht unbedingt billiger ist als eine Forcierung der Arbeiten.
Die Verschiebung des Eröffnungstermins kostet rund 138 Millionen Euro mehr, als ursprünglich geplant. Der Bund und die Länder Berlin und Brandenburg müssen aber nicht zusätzliche Finanzmittel aufbringen. Die Summe liegt noch im Rahmen des Finanzierungsplanes, in dem eine Art „Puffer“ bereits vorgesehen ist.
Allein 50 Millionen Euro entfallen auf den Bau zweier Pavillons für die neuen Sicherheitskontrollen. 62 Millionen Euro werden benötigt, um den Bauablauf an die neue Planung anzupassen. Die übrigen 26 Millionen Euro werden benötigt, um die aus der Verzögerung entstehenden Mindereinnahmen auszugleichen.
Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) zeiget sich mit der Verschiebung zwar nicht zufrieden, aber sichtlich erleichtert. Er habe mit noch höheren Kosten gerechnet, die durch die Verzögerung entstehen würden, sagte er Morgenpost Online.
Anlass für die Verzögerung der geplanten Inbetriebnahme waren die Insolvenz einer für den Innenausbau wichtigen Ingenieurgesellschaft sowie neue Sicherheitsrichtlinien der EU. Ab April 2013 dürfen Flugpassagiere wieder Getränke mit an Bord nehmen. Deshalb müssen die Sicherheitsbehörden neuartige Kontrollgeräte einsetzen, um verbotene Substanzen aufzuspüren. Diese Scanner brauchen jedoch deutlich mehr Platz als in den 36 Kontrollschleusen am BBI bislang vorgesehen waren. Die Umplanung des Sicherheitsbereichs kostet jedoch Zeit, erwogen wird zudem der Bau von zwei Pavillons rechts und links vom Haupteingang, um so Platz für die neue Scanner zu schaffen.
Doch auch der neue Termin ist knapp veranschlagt. „Jeder zusätzliche Monat bis zur Eröffnung kostet uns fünf Millionen Euro“, sagte Berlins regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, der gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft ist. Man wolle aber maximale Qualität und Sicherheitsstandards abliefern, so Wowereit.
Zum Eröffnungstermin am 3. Juni sei man in der Lage die veranschlagten 4500 Passagier pro Stunde abzufertigen. Avisiert seien jedoch 5500 Reisende pro Stunde. Dies könne jedoch erst nach der Eröffnung umgesetzt werden, hieß es seitens des Aufsichtsrates.
Zu Pfingsten, dem Wochenende vor dem Eröffnungstag, ist ein Tag der offenen Tür geplant, an dem die Berliner und Brandenburger den BBI schon einmal begutachten können.
Quelle: Berliner Morgenpost, Freitag, 25. Juni 2010
Sunday, 6. June 2010
Probleme beim Bau des BBI seit März bekannt
Die Flughafengesellschaft und ihr Aufsichtsrat unter Vorsitz des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) haben bereits am 26. März und damit früher als von ihnen behauptet davon gewusst, dass wegen einer neuen EU-Sicherheitsverordnung mehr Platz im BBI-Terminal gebraucht wird.
Das geht aus Informationen hervor, die der Berliner Morgenpost vorliegen. Danach soll der für den BBI-Bau zuständige Flughafen-Geschäftsführer Manfred Körtgen bei der Aufsichtsratsitzung am 26. März dieses Jahres unter Punkt 5.4.1. Controllingbericht über die neuen Anforderungen zu den Sicherheitskontrollen und den erhöhten Platzbedarf im Terminal berichtet haben. Er soll den Aufsichtsrat auch darauf hingewiesen haben, dass der Eröffnungstermin des BBI am 30. Oktober 2011 gefährdet werde, wenn die von EU und Bundespolizei geforderten Flüssigkeitsscanner eingebaut würden.
Wie berichtet haben Flughafenchef Rainer Schwarz und der Regierende Bürgermeister am vergangenen Dienstag zwei Gründe für mögliche Verzögerungen beim BBI-Bau genannt: Zum einen die Insolvenz der Planungsfirma für den Terminal-Innenausbau vom 8. Februar. Und zum anderen die Verdoppelung des Flächenbedarfs In Folge der EU-Verordnung. Dass man doppelt soviel Platz für die Sicherheitsschleusen braucht, das habe die Bundespolizei der Flughafengesellschaft erst am 25. Mai mitgeteilt, teilten beide auf der Landespressekonferenz am Dienstag mit.
Nach Information der Berliner Morgenpost aber soll es bereits vor der März-Aufsichtsratssitzung zwischen Bundespolizei und Flughafengesellschaft abgestimmte und realistische Umbau-Varianten gegeben haben. Sie hätten den Anforderungen der EU genügt und den Eröffnungstermin am 30. Oktober 2011 nicht gefährdet.
Hierbei wären die ursprünglich geplanten 36 Sicherheitsschleusen auf 28 reduziert worden. Die fehlenden könnten ergänzt werden, wenn die Flughafengeschäftsführung auf eine im Terminal geplante Ladenfläche verzichtet hätte. Obwohl es diese Variante gab, ist in der Aufsichtsratsitzung vom 26. März von der Flughafengeschäftsführung berichtet worden, es gebe noch keine Lösung. Zudem gefährdeten die Anforderungen der Bundespolizei an die Sicherheit den Eröffnungstermin. Damit sieht es so aus, als solle der EU und der Bundespolizei die Schuld an einer möglichen Bauverzögerung des Flughafens zugeschoben werden. Flughafensprecher Ralf Kunkel weist diesen Vorwurf jedoch zurück. "Es ist objektiv so, dass wir die zwei Themen - Insolvenz der Planungsfirma und EU-Verordnung zur Sicherheitskontrolle - auf dem Tisch haben und dazu in der Entscheidungsfindung sind. Aber es ist klar: Wir wollen hier niemandem - auch der Bundespolizei nicht - den Schwarzen Peter zuschieben."
Kunkel bleibt dabei: Die Bundespolizei habe erst am 25. Mai mitgeteilt, dass sie einen erhöhten Platzbedarf für die Sicherheitskontrollen habe. Gemeinsam mit den Architekten und der Bundespolizei würden nun Varianten erarbeitet, wie die neuen Anforderungen für den BBI umgesetzt werden können.
Platz ohnehin zu knapp
Nach Informationen der Berliner Morgenpost soll die Bundespolizei aber bereits im April 2009 bei Prüfung der BBI-Planungen festgestellt haben, dass die Platzverhältnisse für die bis dahin vorgesehenen 36 Sicherheitskontrollstellen ohnehin zu gering berechnet gewesen seien. Dabei war der Platz für die neuen Flüssigkeitsscanner, die die EU-Verordnung vorschreibt, noch gar nicht berücksichtigt. Auch die Flughafengesellschaft soll das nach einem Ortstermin im Dezember 2009 eingesehen haben, woraufhin neue und offenbar praktikable Umbauvarianten unter Berücksichtigung der EU-Verordnung erarbeitet wurden. Diese Varianten aber soll der Flughafen im März dieses Jahres nicht mehr weiterverfolgt haben.
Die möglichen Verzögerungen beim Bau des BBI waren gestern auch Thema im Abgeordnetenhaus.
Der Grünen-Politiker Oliver Schruoffeneger nannte es unverantwortlich, wie die Öffentlichkeit seit Monaten getäuscht und "hinters Licht geführt" worden sei. Der Grünen-Politiker hob hervor, dass jeder Tag ohne Flughafenbetrieb 300 000 Euro Zwischenfinanzierungszinsen koste. Hier werde "schlicht Geld verbrannt".
Die Berliner CDU-Fraktion warf dem rot-roten Senat eine Mitschuld an den Verzögerungen beim Bau des neuen Flughafens vor. Der Senat sei verantwortlich, weil sich der Regierende Bürgermeister nicht dafür interessiere, sagte der CDU-Verkehrsexperte Oliver Friederici. FDP-Fraktionschef Christoph Meyer forderte den Senat auf, einen verbindlichen Zeit- und Kostenplan vorzulegen, um eine "endgültige Bruchlandung" des Projekts zu verhindern.
Zu den Vorwürfen der Opposition sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, er habe bereits beim Richtfest für das Terminal am 7. Mai gewusst, dass es Probleme gebe. Dennoch habe es weiterhin geheißen, dass der Zeitplan ambitioniert, aber zu halten sei. Er sei zudem "nicht bereit und in der Lage, bei jedem Risiko den Zeitplan infrage zu stellen und Probleme rauszuposaunen". Das würde dem Projekt schaden und wäre unverantwortlich.
Wowereit fügte hinzu, bei derartigen Großprojekten sei der Zeitplan immer etwas Sensibles. Er sei aber nicht bereit, "Druck aus dem Kessel" zu nehmen. Grundsätzlich sei dieser Flughafen eine Erfolgsgeschichte.
Quelle: Morgenpost, 7. 6. 2010
Pünktliche BBI-Eröffnung nicht um jeden Preis
Führende Politiker sind dagegen, den neuen Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg International (BBI) um jeden Preis pünktlich fertigzustellen. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) warnten davor, höhere Kosten oder technische Probleme in Kauf zu nehmen, nur um die Eröffnung des Flughafens nicht hinausschieben zu müssen.
Platzeck sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Man muss auf keinen Fall um jeden Preis pünktlich sein - wir arbeiten ja mit öffentlichem Geld." Eine Verschiebung des Eröffnungstermins sieht Platzeck undramatisch. "Wir liegen bis heute im Kosten- und nahezu im Zeitplan und sind fast fertig. Wenn jetzt am Ende das Ganze sich noch ein Stück verzögern sollte, dann bricht aus meiner Sicht der Flugverkehr hier nicht zusammen, denn Tegel und Schönefeld arbeiten gut."
Ramsauer warnte im "Tagesspiegel" (Montag) davor, die mögliche Verzögerung mit Provisorien wettzumachen. "Wir können uns keinen Pannenflughafen leisten. Mit der Eröffnung muss der reibungslose Betrieb sichergestellt sein." Er bezeichnete den bisherigen Zweitplan als "sehr ambitioniert".
Die Brandenburger Grünen fordern indes den erwarteten Flugzeuglärm vom BBI schon jetzt auf Lärmkarten darzustellen. Die Lärmkarten würden so schnell wie möglich benötigt, um bessere Schutzmaßnahmen zu entwickeln, sagte der umweltpolitische Fraktionssprecher im Landtag, Michael Jungclaus, am Sonntag. Die Lärmkartierung sei seit 2007 durch Europarecht festgeschrieben.
Vor einer Woche war bekanntgeworden, dass der 2,5 Milliarden Euro teure Flughafen in Schönefeld möglicherweise nicht wie geplant am 30. Oktober 2011 öffnen kann. Ein Grund dafür ist laut den Landesregierungen Berlins und Brandenburgs, dass eine der beteiligten Planungsfirmen pleite ist. Am 25. Juni entscheidet der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft darüber, ob sich der Start verzögert. Würde der Bau - etwa durch zusätzliche Arbeitsschichten - beschleunigt, würde das auch die Kosten nach oben treiben.
Quelle. ftd, 06.06.2010
BBI-Termin - Brandenburg widerspricht Berlin
Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck will keine zusätzlichen Kosten, um den Zeitplan für den Hauptstadtflughafen einzuhalten. Damit stellt er sich gegen die Linie des Berliner Senats.
In der Debatte um mögliche Verzögerungen beim Bau des neuen Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg International (BBI) in Schönefeld bahnt sich zwischen Berlin und Brandenburg ein handfester Streit an. Im Gegensatz zu Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) lehnt Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) es ab, zusätzliche Kosten in Kauf zu nehmen, um den neuen Flughafen doch noch fristgerecht in Betrieb nehmen zu können. „Man muss jedenfalls auf keinen Fall um jeden Preis pünktlich sein – wir arbeiten ja mit öffentlichem Geld“, sagte Platzeck. In den vergangenen Tagen hatte Wowereit eine andere Tonart angeschlagen. Man halte am geplanten Eröffnungstermin fest, hieß es da stets. „Wir arbeiten mit absolutem Nachdruck daran“, sagte Wowereit und betonte, Management und Gesellschafter hätten ein „hohes Interesse“ an der Einhaltung des Zeitplans, denn jede Verzögerung koste Geld.
Vor einer Woche war bekannt geworden, dass sich die Eröffnung des 2,5 Milliarden Euro teuren Großflughafens am 30.Oktober 2011 um möglicherweise bis zu einem Jahr verzögert. Als Grund hatte Wowereit die Insolvenz einer Planungsfirma und eine neue Verordnung zu Sicherheitsstandards in der Luftfahrt genannt. Wegen der drohenden Verzögerung ist eine interne Debatte darüber ausgebrochen, wer die Schuld trägt und für die zusätzlichen Kosten aufkommen muss.
Ministerpräsident Platzeck zeigt sich angesichts des Zeitplans entspannt. „Wir liegen bis heute im Kosten- und nahezu im Zeitplan und sind fast fertig. Wenn jetzt am Ende das Ganze sich noch ein Stück verzögern sollte, dann bricht aus meiner Sicht der Flugverkehr hier nicht zusammen, denn Tegel und Schönefeld arbeiten gut“, sagte Platzeck. „Und Unternehmer, die am BBI investieren wollen, sagen mir: Für das, was ich vorhabe, ist es völlig irrelevant, ob ihr einen oder zwei Monate später fertig werdet. Ich plane in Schönefeld für 20 Jahre.“
Wowereit hatte dagegen noch am Donnerstag im Abgeordnetenhaus gesagt, bei Großprojekten wie dem BBI sei der Zeitplan immer etwas Sensibles und er sei nicht bereit, „Druck aus dem Kessel“ zu nehmen.
Vom Koalitionspartner bekommt Wowereit Rückendeckung. „Die Berliner wollen den Termin halten“, sagt Jutta Matuschek, verkehrspolitische Sprecherin der Linksfraktion. Man wolle den Zeitdruck nicht rausnehmen aus der Diskussion. „Wowereit hat als Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft mit seinem Wort Gewicht.“
Offiziell will die Berliner Senatskanzlei von Widersprüchen zwischen Wowereit und Platzeck, der ebenfalls im Aufsichtsrat sitzt, nichts wissen. „Da gibt es keine unterschiedlichen Haltungen. Die beiden sind 1:1 aufeinander abgestimmt“, sagte Senatssprecher Richard Meng. Dass es unterschiedliche Formulierungen gebe, habe mit Wowereits Rolle im Aufsichtsrat zu tun: „Er muss den Druck halten.“ Das Ziel aller Beteiligten sei die pünktliche Fertigstellung. Ob es Verzögerungen gebe, werde „auf der Basis von Fakten und deren Bewertungen noch diesen Monat entschieden“.
Doch mittlerweile gibt es hinter vorgehaltener Hand Zweifel, ob es vor dem Herbst schon einen neuen Eröffnungstermin geben wird, weil zu viele Faktoren noch nicht absehbar seien. So fehlt etwa für die Ausstattung der Sicherheitsschleusen gemäß neuer EU-Verordnung noch die serienreife Technik.
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) warnte davor, mögliche Verzögerungen durch Provisorien wettzumachen. Dem „Tagesspiegel“ sagte er: „Wir können uns keinen Pannenflughafen leisten.“
Quelle: Morgenpost, 3. 6. 2010
Saturday, 5. June 2010
Wowereit sieht BBI-Zeitplan in Gefahr
Der Eröffnungstermin für den neuen Großflughafen kann womöglich nicht gehalten werden. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit: "Risiken sind da."
Die Eröffnung des neuen Berliner Großflughafens in Schönefeld könnte sich verzögern. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte am Dienstag:„Risiken sind da, der Zeitplan war immer ambitioniert.“ Er könne aber heute nicht sagen, ob der Plan nicht zu schaffen sei. Wowereit ist Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft.
Deren Chef Rainer Schwarz sagte:„Wir haben von unserem Projektsteuerer einen Hinweis bekommen, dass Verzögerungen drohen.“ Dies werde intensiv geprüft, der Aufsichtsrat solle am 25. Juni über Lösungen entscheiden. Eigentlich soll der 2,5 Milliarden Euro teure Flughafen am 30. Oktober 2011 in Betrieb gehen. Der 2,5 Milliarden Euro teure Flughafen soll eigentlich am 30. Oktober 2011 in Betrieb gehen. Der Flughafen Tegel soll dann schließen. Mit Blick auf die Flughafengesellschaft sagte Wowereit:„Mein Vertrauensverhältnis zur Geschäftsführung ist ungestört.“
Wowereit sagte weiter„Der Eröffnungstermin 30.10.2011 ist zurzeit gültig.“ Möglicherweise müsse aber entschieden werden zwischen höheren Kosten und einem späteren Öffnungstermin. Sollte sich die Eröffnung verzögern, müsse man deutlich unter dem „Horrorszenario“ von einem Jahr Verspätung bleiben.
Wowereit sagte, er habe in der vergangenen Woche von dem Gutachten erfahren. Schon in einer Aufsichtsratssitzung am 26. März sei die Pleite eines der beteiligten Planungsbüros Thema gewesen. Damals habe es aber noch keine Erkenntnisse gegeben, dass der Zeitplan nicht gehalten werden könne. Erschwerend komme hinzu, dass die EU-Kommission von April 2013 an wieder Getränke und andere Flüssigkeiten im Handgepäck zulassen wolle. Damit müsse nun mehr Platz für Sicherheitstechnik eingeplant werden.
Quelle: Morgenpost, 0.406.2010
Monday, 31. May 2010
Großflughafen BBI
Drohendes Termin-Fiasko am BBI war bekannt
Der Berliner Großflughafen BBI wird höchstwahrscheinlich nicht rechtzeitig fertig. Schuld daran soll die Insolvenz der für den Innenausbau verantwortlichen Firma sein. Diese Risiken sollen der Flughafengesellschaft schon seit 2009 bekannt gewesen sein. Jetzt drohen nicht nur die Verschiebung der Eröffnung, sondern auch steigende Kosten.
Im Fall der drohenden Verzögerung bei der Eröffnung des Großflughafens BBI ist eine interne Debatte darüber ausgebrochen, wer die Schuld trägt und für die zusätzlichen Kosten aufkommen muss. Nach Informationen Morgenpost Online soll die Flughafengesellschaft bereits 2009 von den Risiken gewusst haben. Am Sonnabend war bekannt geworden, dass sich der BBI-Start um bis zu ein Jahr verschieben könnte, weil die Planungen für den Terminal-Innenausbau weit hinter dem Zeitplan zurückliegen. Grund sei die Insolvenz der verantwortlichen Firma Ingenieurgesellschaft Kruck.
Wie es allerdings in gut informierten Kreisen heißt, hätten nicht erst bei der Insolvenz die Alarmglocken läuten müssen. Bereits 2009 hätte sich ein Rückstand bei den Planungen abgezeichnet, hieß es. Die Flughafengesellschaft soll aber immer noch geglaubt haben, den Zeitverzug in den Griff bekommen zu können. Auch die Firma CBP München, die mit der Gesamtprojektsteuerung beauftragt ist, soll nach Morgenpost-Informationen trotz eindeutiger Hinweise auf Missstände nicht rechtzeitig reagiert haben. CBP hatte vor elf Tagen einen Brief an die Flughafenleitung geschrieben und darauf hingewiesen, dass der Eröffnungstermin nicht zu halten sei.
Intern werden auch Vorwürfe gegen den damaligen Bereichsleiter für die Planung und den Bau des BBI laut. Dieser hatte Ende 2009 die Flughafengesellschaft verlassen. Er soll absehbare Planungsverzögerungen nicht zum Thema gemacht haben. Erst sein Nachfolger habe sich mit der Planungsgemeinschaft BBI (pg bbi) wegen möglicher Verzögerungen in Verbindung gesetzt, heißt es in gut informierten Kreisen. Zur pg bbi gehören die Architektenbüros gmp sowie JSK International Architekten und auch die inzwischen insolvente Firma Kruck.
Die Flughafengesellschaft äußerte sich gestern nicht zu der Pannenserie. Der Generalplanerauftrag war 2004 nach europaweiter Ausschreibung an die pg bbi gegangen. Man habe im Vorfeld auch „die Zahlungskräftigkeit und die wirtschaftliche Solvenz“ der Planungsgemeinschaft und damit auch die der Firma Kruck geprüft, sagte Sprecher Ralf Kunkel gestern.
Neben der Frage der Schuld stellt sich auch die der höheren Kosten. Fachleute gehen davon aus, dass die pg bbi haftet, wenn sie die beauftragten Leistungen nicht rechtzeitig erbringt. Gmp-Chef Meinhard von Gerkan hat offenbar inzwischen einen Teil der Kruck-Planer übernommen. Der Berliner Morgenpost sagte er, er habe extra eine weitere Etage in seinem Berliner Sitz an der Hardenbergstraße hinzugemietet.
Die Kosten könnten entweder durch die verlängerte Bauzeit steigen oder dadurch, dass die Gesellschafter Berlin, Brandenburg und der Bund Geld zuschießen, um die Bauarbeiten zu beschleunigen und so die Verzögerung doch noch abzuwenden.
Wieviel wusste der Senat?
Unklar ist bislang, wie viel der Senat von der drohenden Verschiebung des Eröffnungstermins wusste. Aus gut informierten Kreisen heißt es, die Gesellschafter und der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Wowereit seien auf der letzten Aufsichtsratsitzung Ende März über die Risiken durch die Kruck-Insolvenz informiert worden. Der Regierende Bürgermeister und der Senat dagegen wollen von den möglichen Verzögerungen nichts gewusst haben. „Der Senat hat keine Kenntnis von Verzögerungen“, sagte gestern der Sprecher von Senatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Insofern würde man auch nicht spekulieren, welche Auswirkungen eine BBI-Verzögerung auf den Betrieb des Flughafens Tegel haben könnte.
Bislang galt, dass Tegel unmittelbar nach Inbetriebnahme des Großflughafens am 30. Oktober 2011 geschlossen wird. Sollte der BBI allerdings später an den Start gehen, müsste auch Tegel länger offen gehalten werden. Der Konsensbeschluss von 1996 lässt das auch zu. Darin heißt es, dass Tegel sechs Monate nach Inbetriebnahme der neuen BBI-Start- und Landebahn zu schließen ist. Auch die planungsrechtliche Entwidmung wird erst dann wirksam, wenn dort der Flugbetrieb endgültig eingestellt ist. Insofern hätte eine spätere Fertigstellung des neuen Hauptstadtflughafens für den Flugverkehr keine Auswirkungen
Quelle: Morgenpost, 31.05.2010
Wowereit gerät unter Druck
Wowereit gerät unter Druck
Die Nachricht, dass der neue Großflughafen BBI später als geplant in Betrieb geht, hat die Berliner und Brandenburger am Wochenende überrascht. Politisch gerät damit Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft ist, unter Druck.
Schließlich hatte Wowereit - wenn auch mit dem nachdrücklichen Hinweis, der Zeitplan sei ehrgeizig und ambitioniert - immer wieder darauf hingewiesen, dass der Zeit- wie auch der Kostenplan gehalten werden können. Zuletzt beim Richtfest am 7. Mai und kurz zuvor am 22. April vor dem Parlament. "Fachleute sagen uns, der Terminplan, den BBI am 30. Oktober 2011 in Betrieb zu nehmen, kann eingehalten werden", betonte Wowereit damals. Das Flughafenprojekt ist Chefsache und Wowereit ist daran interessiert, es reibungslos zum Abschluss zu bringen. Schließlich wird unmittelbar vor der Eröffnung des BBI im Jahr 2011 auch ein neues Abgeordnetenhaus gewählt. Ein missglücktes Flughafenprojekt wäre Wowereit da nicht förderlich.
Mehr Geld für Bauarbeiter
Die Flughafengesellschaft prüft nun, wie schwerwiegend die Planungsrückstände sind. So muss abgewogen werden, ob mehr Geld für zusätzliche Bauarbeiter ausgegeben wird. Allerdings dürfen die Kosten dafür nicht exorbitant werden.
Bislang ist außerdem völlig unklar, wer die Kosten übernehmen soll - die Flughafengesellschaft, deren BBI-Budget ohnehin eng bemessen ist oder die Gesellschafter Berlin, Brandenburg und der Bund. Diese Fragen sollen jetzt kurzfristig und damit vor der nächsten Aufsichtsratssitzung am 25. Juni bewertet und geklärt werden, hieß es in Flughafenkreisen.
Wie berichtet, wurde am Sonnabend bekannt, dass der Eröffnungstermin des neuen Hauptstadtflughafens wackelt. Dabei soll es sich um eine Verzögerung von mindestens sechs Monaten, wenn nicht sogar von einem Jahr handeln. Das prognostiziert ein Gutachten, das die Flughafengesellschaft selbst in Auftrag gegeben hat. Vor Problemen wird ebenfalls in einem Brief des am Flughafenbau beteiligten Münchner Projektsteuerers CBP gewarnt, der vor wenigen Tagen bei der Flughafengesellschaft einging. Ein Grund für die möglichen Verzögerungen ist die Insolvenz der für den Terminal-Innenausbau zuständigen Firma Kruck. So soll erst ein Bruchteil der Pläne fertig sein, was sich auf die Bauabläufe auswirkt. Flughafenarchitekt Meinhard von Gerkan, dessen Büro zur Planungsgemeinschaft pg bbi gehört, hat offenbar einen Großteil der Kruck-Ingenieure übernommen und eine weitere Etage am Berliner gmp-Sitz angemietet. "Wir werden jetzt mit geringstem räumlichen Abstand uns allergrößte Mühe geben", sagte Gerkan der Berliner Morgenpost. Mit Verweis auf die insolvente Firma Kruck fügte Gerkan hinzu, dass er in seiner 45-jährigen Tätigkeit als Architekt noch kein Haustechnikbüro erlebt habe, das einen Zeitraum von mehr als zehn bis 15 Jahren überlebt habe. "Sie sind allesamt und sonders, auch die damals in Tegel mitgemacht haben, irgendwann Pleite gegangen."
Erschwerend für das Einhalten des Zeitplans kommt hinzu, dass sich erst in der vergangenen Woche herausstellte, dass die Sicherheitsschleusen umgeplant werden müssen. Eine EU-Richtlinie schreibt vor, dass ab 2013 Prüfgeräte zum Erfassen von Flüssigkeiten vorgeschrieben sind. Das Problem: Diese Scanner sind doppelt so groß wie die bislang üblichen Geräte. Damit hat die Flughafengesellschaft ein Problem, denn aufgrund seines engen Budgets hat sie keine Ausweich- und Vorratsflächen vorgesehen. Bislang sind 36 Sicherheitsschleusen geplant. Wollte man die neuen Prüfgeräte installieren, müsste man die Anzahl der Sicherheitsschleusen halbieren. Dies wiederum hieße, dass Fluggäste stundenlang anstehen müssten. Die Flughafengesellschaft sucht derzeit gemeinsam mit der Bundespolizei nach einer Lösung.
Bei den Airlines geht man nach wie vor davon aus, dass der BBI noch rechtzeitig eröffnet wird. Air-Berlin-Sprecher Hans-Christoph Noack sagte gestern, man rechne damit, dass der BBI-Zeitplan gehalten werde. "Solange wir nicht wissen, was Sache ist, beteiligen wir uns nicht an Spekulationen." Auf dem Internet-Portal www.das-thema-tempelhof.de , einer Initiative, die sich für den Erhalt des Flughafens Tempelhof stark machte, wird bereits das langfristige Offenhalten Tegels als Ergänzungsflughafen zum BBI gefordert.
Ob sich Verzögerungen beim BBI-Bau auf die heutige Entscheidung des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) zum künftigen Standort der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) ab 2012 auswirken werden, darüber sind die Meinungen geteilt. Der Chef der sächsischen Staatskanzlei, Johannes Beermann, betonte: "In dieser unsicheren Situation der Inbetriebnahme des neuen Flughafens sollten die Verantwortlichen ein klares Signal in die Welt senden: Es geht nicht um die Frage Berlin oder Leipzig, sondern um die Sicherung des Standortes Deutschland." Wie berichtet, entscheidet sich die Standortwahl heute zwischen Leipzig und Berlin. Von Seiten der Messe Berlin, die die ILA bislang veranstaltet, hieß es gestern, dass Verzögerungen beim BBI keinerlei Auswirkungen auf den ILA-Standort in Schönefeld/Selchow hätten. "Die neuen Flächen in Selchow sind auch zu erreichen, wenn der BBI noch nicht in Betrieb ist", sagte der ILA-Direktor bei der Messe, Stefan Grave. So könnten die Flugvorführungen wie bislang auch über die Nordbahn abgewickelt werden.
Platzeck wirbt für Schönefeld
Politiker aus Sachsen und Sachsen-Anhalt wollten jedenfalls nichts unversucht lassen, um den BDLI von dem mitteldeutschen Standort zu überzeugen. Sachsens Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU), Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) und der sachsen-anhaltinische Finanz-Staatssekretär Helmut Stegmann präsentieren das Konzept heute persönlich in Berlin. In Berlin werden Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) sowie sein Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) dem BDLI das Berlin-Brandenburg-Konzept für die ILA präsentieren. Ob auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) an der Präsentation teilnehmen wird, soll erst heute entschieden werden.
Quelle: Morgenpost, 31.05.2010
Thursday, 6. May 2010
Tempelhof wird hübsch gemacht
Graue Wolken türmen sich über dem Sandsteinbau zu einem dramatisch verwehten Himmel. “Berlin-Tempelhof” steht in großen weißen Lettern am Flughafengebäude, als wäre alles noch wie früher. Der Ort und der Himmel wirken wie die Kulisse eines Leni-Riefenstahl-Films.
Die DC-4, der Rosinenbomber, mit dem die Amerikaner 1948 und 1949 die hungernden Deutschen versorgten, steht blank geputzt unter dem Vordach. Die Rasenfläche am Rollfeld liegt weit und unbenutzt da, 220 Hektar öffentliches Grün. Nichts ist wie früher. Tempelhof wird hübsch gemacht.
EINE ANLAGE FÜR SKATER
Für Sonnabend werden hier 200 000 Besucher erwartet, die sich das Gelände des im Oktober 2008 stillgelegten Flughafens ansehen möchten. Mit einer großen Feier wird das geschichtsträchtige Flugfeld, einst Exerzierplatz der Kaiserzeit, Projekt des Nazi-Größenwahns, Ausgangspunkt der Luftbrücke und Symbol der Freiheit, für die Bevölkerung geöffnet. Freizeit und innerstädtische Erholung sollen hier fortan stattfinden, die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wünscht sich für ihre schöne neue Parkanlage Skateboardfahrer und Picknick-Fans, Spaziergänger und Kinder, die Drachen steigen lassen.
Sechs pinkfarbene Dixi-Toiletten stehen schon bereit für das große Fest zwischen Kreuzberg, Neukölln und Tempelhof. Die Einzigen, die wenige Tage vor der Eröffnung dort spazieren gehen, sind die Sicherheitsleute. Und ein Komparse in olivgrüner Armeeuniform mit Hund. Er ist Teil der Crew eines skandinavisch-deutschen Filmsets um Jan Josef Liefers und Bill Skarsgard. Das Team dreht die Adaption von Marianne Fredrikssons Buch “Simon and the Oaks”, einer Geschichte über einen deutsch-jüdischen Buchhändler, der vor den Nazis nach Schweden flieht und in den 50er-Jahren nach Berlin zurückkehrt.
Direkt gegenüber vom Haupteingang hat Wolfgang Witzke seinen Fliegerladen “Take Off”. Seit mehr als einem Jahrzehnt verkauft er hier, am Platz der Luftbrücke, Nippes für Luftfahrtinteressierte. Er war gegen die Schließung von Tempelhof, damals, und kritisiert auch jetzt das Konzept der Stadt für die Nachnutzung des Geländes. “Das ist ja nicht mal ein richtiges Konzept, das ist bloß eine Notlösung”, sagt der 51-Jährige. Er selbst hätte sich anstelle einer “lieblos gestalteten x-ten Grünanlage” ein Luftfahrtmuseum mit Park gewünscht. Aber das jetzt - “da wurde einfach nicht nachgedacht”. Sollte nur ein Teil der Besucher am Sonnabend mit dem Auto kommen, würden die anliegenden Straßen komplett verstopft, sagt Witzke.
Diese Befürchtung teilen viele Anwohner. Schon bei vergangenen Veranstaltungen habe es Probleme gegeben, sagt Silvia Checka. Die 55-Jährige leitet die Kindertagesstätte Buddelkiste am Platz der Luftbrücke und wohnt ein paar Straßen weiter in der Fliegersiedlung. “Bei der Pyromusikale war alles zugeparkt, niemand kam mehr durch, selbst Krankenwagen und Polizei konnten nicht in die Straßen.” Dass nun der Park für die Allgemeinheit geöffnet wird und es jedes Wochenende so zugehen könnte, macht der Pädagogin Angst. “Der Flughafen ist so groß, wie kann es sein, dass es da so wenig Parkplätze gibt?” Als die Amerikaner noch in Tempelhof waren, erinnert sie sich, seien bei Veranstaltungen immer extra Flächen zum Parken freigegeben worden. Auch um die Kinder hätte sie Angst. “Man weiß ja nicht, wer dann hier so herumlaufen wird.”
NEUE WOHNQUARTIERE GEPLANT
In der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat man für solche Sorgen kein Verständnis. Parkbesucher könnten auf das Auto verzichten und mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen. “Bei täglich bis zu 100 000 Besuchern in Spitzenzeiten können wir nicht dafür sorgen, dass ausreichend Parkraum zur Verfügung steht”, so der Sprecher der Behörde, Mathias Gille. Seit Herbst 2009 ist das Land Berlin Eigentümer des unter Denkmalschutz stehenden Flughafengebäudes und des gesamten Geländes. Als nächster Schritt ist der Bau Tausender neuer Wohnungen im “Columbia-Quartier” und im “Stadtquartier Neukölln” geplant. Aber auch in Zukunft sei man “nicht in der Lage, 30 000 bis 40 000 zusätzliche Parkplätze zu schaffen”.
Im Übrigen gehe man nicht von einer so “dramatischen Parksituation” aus, da der Park “vor allem von Anwohnern genutzt werden wird”. Abfalleimer sollen der Vermüllung entgegenwirken, ein Wachschutz dafür sorgen, dass der Park in jeglicher Hinsicht sauber bleibt. Schon jetzt existiert eine Benutzerordnung, die unter anderem verbietet, sich nachts im Park aufzuhalten.
Anwohner Gerhard Hustan ist 97 Jahre alt und lebt schon seit 60 Jahren in direkter Nachbarschaft zum Flughafen Tempelhof. Er meint: “Gemeckert wird immer.” Fragt sich aber, wie die Behörde das 300 Hektar große Gelände rund um die Uhr überwachen will. “Der Park ist riesig, und in Kreuzberg und Neukölln gibt es ja ein ziemliches Gewaltpotenzial, ich habe schon Angst, dass es da noch Rabatz gibt.” Er ist skeptisch, was die schöne neue Vorzeige-Grünanlage betrifft. “Es wäre natürlich schön, wenn wir hier einen zweiten Britzer Garten hätten, aber da glaube ich nicht dran”, sagt er.
ANGST VOR STEIGENDEN MIETEN
Die Tempelhofer Studentin Gislinde Böhringer ist da optimistischer. “Ich freue mich, dass bald jeder den Park nutzen darf”, sagt die 21-Jährige. “Es ist gut, dass mal ein bisschen Schwung in die Gegend kommt.” Allerdings bleibe abzuwarten, wie hoch das Eintrittsgeld wird. “Wenn das zu teuer ist, gehe ich lieber wie bisher in die Hasenheide oder den Viktoriapark.” An der östlichen Seite des Tempelhofer Feldes ist man weniger erfreut über den neuen Park. Zumindest nicht im Schillerkiez. Der galt lange als Multikulti-Viertel mit günstigen Mieten. Nach den Plänen der Stadtentwicklungsbehörde soll in den kommenden Jahren direkt nebenan das “Stadtquartier Neukölln” entstehen, “die Adresse für städtisches Wohnen am Park”. Mancher Anwohner hat nun Angst vor Gentrifizierung, weil das Viertel rund um den Neuköllner Herrfurthplatz durch den neuen, “größten öffentlichen Park Europas” vermutlich interessant für Investoren und Besserverdiener wird, könnten die Mieten steigen und die alte Bevölkerung verdrängt werden. “Wenn es hier dann plötzlich trendy ist, werde ich mir meine Wohnung wohl nicht mehr leisten können”, fürchtet Bewohnerin Ute Borowsky. Die 55-Jährige lebt seit drei Jahrzehnten im Schillerkiez. Zur Eröffnung des Tempelhofer Feldes am Sonnabend will sie nicht gehen. Sie sagt: “Es gibt so viel Grün hier, ich brauche keinen neuen Yuppie-Park.”
Selten hat eine Grünanlage in Berlin für so viel Diskussionsstoff gesorgt wie der Tempelhofer Park. Die Gruppe “Autonome Republik Tempelhof” hat bereits zur Störung des Festes aufgerufen. Dabei leistet die hügelige Wiese nicht nur gute Dienste für das Klima Berlins, sie ist auch eine der größten innerstädtischen Freiflächen. Ausgerechnet am 8. Mai, dem Tag, an dem der Zweite Weltkrieg endete, wird das Gelände nun wiedereröffnet.
Berliner Morgenpost, 06.05.2010
Tuesday, 27. April 2010
Taxifahrer drohen sich gegenseitig Prügel an
Am Flughafen Schönefeld kämpfen Brandenburger "LDS-Taxen" gegen die Hauptstadtfahrer um Fahrgäste. Die Berliner wehren sich gegen getrennte Wartebereiche vor dem Terminal, die den einheimischen Taxis einen Vorteil verschaffen.
„Sauerei!“, ruft der Taxifahrer seinen Kollegen zu. Die aber ballen die Fäuste und drohen sogar mit Mord und Totschlag. Sie meinen es offenbar ernst. „Das nächste Mal bist du dran!“, ruft einer und macht ein Handyfoto vom Kennzeichen. „Wir kriegen raus, wo deine Familie wohnt.“ Das Klima unter den Taxifahrern am Flughafen Schönefeld ist derzeit so angespannt, dass schon das Wort „Krieg“ die Runde macht.
Die Kontrahenten sind leicht auszumachen: Fahrer mit dem Kennzeichen „LDS“ für den Landkreis Dahme-Spreewald gegen Fahrer mit dem Kennzeichen „B“. Seit etwa zwei Wochen tobt der Streit. Schon mehrfach musste die Polizei einschreiten, um Schäden an Autos oder Anzeigen wegen Beleidigung und Nötigung aufzunehmen.
Hintergrund der Situation ist die Lage des Flughafens Schönefeld. Er gehört genau wie der künftige Großflughafen zum Land Brandenburg. Taxi-Chauffeure aus Berlin dürfen hier nur aufgrund einer Vereinbarung zwischen dem Senat und dem Landkreis Dahme-Spreewald ihre Dienste anbieten. Denn eigentlich untersagt das Personenbeförderungsgesetz einen Taxiverkehr außerhalb der Gemeinden, in denen ein Unternehmen seinen Betriebssitz hat. Da aber weit über 95 Prozent der Fluggäste ein Ziel in Berlin ansteuern und es nicht genügend „LDS-Taxen“ gibt, können hier die Berliner ausnahmsweise Fahrgäste aufnehmen.
Allerdings bestehen für einheimische und Berliner Taxen vor dem Terminal getrennte Wartebereiche. „Ich warte im Schnitt drei Stunden auf einen Fahrgast“, schimpft der Berliner Taxifahrer Rudolf Mayer. „Die LDS-Fahrer können sich gleich in den vorderen Bereich einordnen. Das ist völlig ungerecht.“ Genau deshalb klagte ein Berliner Taxifahrer gegen die Regelung. Das Oberverwaltungsgericht bestätigte die Bevorzugung der LDS-Fahrer beim Einfädeln, erklärte die Regelung aber aus formellen Gründen für unwirksam. Die „gesetzliche Ermächtigung“, auf die sich die Regelung beim Einfädeln stützt, sei nicht im Vereinbarungstext zitiert worden. Was sich wie eine juristische Spitzfindigkeit anhört, wird von der Mehrheit der Berliner Taxifahrer als ein Ende des Vorteils der „Platzhirsche“ gedeutet.
„Wir sind nur etwa 30 Fahrer“, sagt Jorgo Zimmer aus Schönefeld. „Aber den Berliner Kollegen geht es offenbar so schlecht, dass sie uns den kleinen Vorteil nicht gönnen.“ Nachts würden sie sich gar nicht mehr nach Schönefeld trauen, jedenfalls nicht allein.
Andererseits zahlt der Kunde unterschiedliche Preise. Eine Fahrt zum Alex kostet in einem LDS-Taxi rund 39 Euro, in einem B-Taxi wegen des niedrigeren Tarifs 36 Euro. Dafür dürfen Taxis aus dem Umland in Berlin keine Fahrgäste aufnehmen. Die Flughafengesellschaft versicherte gestern, mit den Taxi-Unternehmern noch vor der Eröffnung des Großflughafens eine „einvernehmliche Regelung“ zu treffen. „Dazu gehört auch unsere Forderung nach einem einheitlichem Tarif nach dem Motto ‚Eine Fahrt, ein Preis, eine Qualität'“, sagte Sprecher Ralf Kunkel.
Quelle: Tagesspiegel 27.04.2010
Wednesday, 14. April 2010
Tempelhof befürchtet Chaos zur Park-Eröffnung
Der neue Park soll den Berlinern viel Platz bieten – bei seiner Eröffnung wird es allerdings erst einmal eng. Denn für die Eröffnung der Fläche auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof gibt es noch kein Verkehrskonzept. Für den Tempelhofer Stadtrat Oliver Schworck (SPD) eine Katastrophe. Denn es gibt schon schlechte Beispiele.
Die vom Senat geplante Öffnung des Tempelhofer Feldes am 8. und 9. Mai steht unter dem Motto „Bewegungsfreiheit“. Angesichts der Größe der Tempelhofer Freiheit von 300 Hektar lud Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) erst kürzlich alle Berliner ein, diese Bewegungsfreiheit zu genießen. In den angrenzenden Straßen und Wohngegenden des Flughafengeländes dürfte an diesen beiden Tagen allerdings die Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt sein.
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Denn der Senat, der an beiden Tagen 150.000 bis 200.000 Besucher erwartet, hat bislang kein Verkehrskonzept zur Öffnung des Tempelhofer Feldes vorgelegt. Auch sind keinerlei zusätzliche Parkplätze – etwa am Rande des Flughafenfeldes – vorgesehen. Stattdessen setzt die Senatorin ausschließlich auf U- und S-Bahn.
Einziges Zugeständnis: Die Takte der S-Bahn sollen erhöht und die Züge der U-Bahn verlängert werden. „Das Tempelhofer Feld ist hervorragend mit dem ÖPNV angebunden. Zusätzliche Parkplätze wird es nicht geben“, sagt der Sprecher der Senatorin, Matthias Gille. Das im August 2009 in Auftrag gegebene Verkehrskonzept sei noch in Arbeit und werde zu der Flugfeldöffnung nicht zum Tragen kommen.
Für Tempelhof-Schönebergs Stadtrat Oliver Schworck (SPD) eine „Katastrophe“. Er wirft dem Senat große Versäumnisse vor und fürchtet, dass auf dem ohnehin schon verstopften Tempelhofer Damm sich dann gar nichts mehr bewegt und die Gartenstadt Tempelhof unerträglich zugeparkt wird. Das Gleiche wird für die Wohnviertel rund um die Neuköllner Oderstraße befürchtet. Schworck spricht von unerträglichen und gefährlichen Zuständen. So sei bei der Pyromusikale im vergangenen Sommer die gesamte Gartenstadt rund um die Manfred von Richthofen-Straße und den Tempelhofer Damm dermaßen zugeparkt gewesen, dass kein Krankenwagen hätte durchfahren können. Auch seien Mittelstreifen und Grünflächen kaputtgefahren worden. „Die Wut der Anlieger kann ich verstehen“, sagt Schworck.
Dem Senat wirft der Stadtrat „brüskes Verhalten“ vor. So sei dieser nicht auf den Bezirk zugekommen. „Fragen meinerseits zum Verkehrskonzept wurden lediglich mit dem Hinweis, das Konzept sei noch in Arbeit, beantwortet“, sagt Schworck. „Die Frage der Verkehrslenkung ist überhaupt nicht geklärt. Das gleiche gilt auch für Abstellflächen für Fahrräder. Mir ist auch völlig unklar, wie man mit dem dauerhaften Besucherstrom umgehen will.“
Der stadtentwicklungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Klaus-Peter von Lüdeke, fordert vom Senat, so schnell wie möglich ein Verkehrskonzept vorzulegen und Parkplätze auszuweisen. „Es darf kein Dauerzustand werden, dass die Gegend rund um das Tempelhofer Feld im Verkehrschaos versinkt.“ Der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Oliver Friederici, spricht bereits von „einem Stück aus dem Tollhaus“. „Es gibt ja auf dem Tempelhofer Feld Betonflächen ohne Ende. Da kann man doch Parkplätze einrichten. Wenn man natürlich will, dass die Öffnung Tempelhofs kein Erfolg wird, dann schafft man keine Parkplätze. Letztlich sind die Anwohner die Leidtragenden.“
Die Verkehrsexpertin der Grünen, Claudia Hämmerling, hält dagegen die Bus-, U- und S-Bahn-Verbindungen zum Tempelhofer Feld für ausreichend, verlangt aber ein Bus- und Bahnkonzept.
Quelle: Morgenpost, Mittwoch, 14. April 2010





