Zum 50. JubilÀum des Deutsch-Amerikanischen Volksfestes gibt es Streit hinter den Kulissen
Wowereit legt sich mit den Rummel-Bossen an
Das Deutsch-Amerikanische Volksfest (23. Juli bis 15. August) feiert in diesem Jahr sein 50. JubilÀum. Doch hinter den Kulissen herrscht keine Feststimmung!
Es gibt Streit zwischen den Rummel-Betreibern und Berlins Regierendem BĂŒrgermeister, Klaus Wowereit (56, SPD). Dabei geht es um diesen Satz: "Das Deutsch-Amerikanische Volksfest ist ein Relikt des Kalten Krieges." Das soll Wowereit laut Thilo Harry Wollenschlaeger, dem Vorsitzenden des Schaustellerverbands, und Betreiber Richard Simmons im Mai 2009 gesagt haben.
Doch Wowereit bestreitet das. Wie der Tagesspiegel berichtet, kĂŒndigte sein Anwalt gestern sogar UnterlassungserklĂ€rungen gegen beide an. Wollenschlaeger hĂ€lt dagegen, schwört: "Ich war dabei, als er den Satz sagte. Wahrscheinlich hat er Angst um seine politische Zukunft und steht deshalb nun nicht dazu."Schon lĂ€nger stehen die beiden Parteien auf KriegsfuĂ. Das Volksfest muss im nĂ€chsten Jahr von der Clayallee in Zehlendorf weichen. Der neue Wunsch-Standort der Veranstalter ist der Flughafen Tempelhof. Bisher blockt der Senat jedoch.Wollenschlaeger ist sauer: "Wowereit war schon lange nicht mehr zu Besuch beim Volksfest. Es wĂ€re schön, wenn er mal wieder vorbeikĂ€me." Vielleicht lieĂe sich der Streit dann ja auch bei einem Burger beilegen...
26. Juli 2010 14.00 Uhr, BZ
Sunday, 1. August 2010
Zum Thema Wowereit: "Das Deutsch-Amerikanische Volksfest ist ein Relikt des Kalten Krieges."
Friday, 18. June 2010
Dunkle Wolken ĂŒber BBI und dem Flughafenchef.
Die Eröffnung des neuen Berliner GroĂflughafens (BBI) in Schönefeld wird sich um sechs bis neun Monate verzögern (DMM berichtete). Auch ĂŒber der Zukunft von Flughafenchef Rainer Schwarz scheinen sich dunkle Wolken zusammenzubrauen.
Berlins Regierender BĂŒrgermeister Klaus Wowereit, Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft ist, hatte schon Anfang Juni öffentlich eingerĂ€umt, dass sich die Eröffnung des Airports verzögern könnte. Und er wird Recht behalten. Denn nun wird es April, oder Juli oder sogar noch spĂ€ter im Jahr 2012. Die Flughafengesellschaft lieĂ vorige Woche die Katze aus dem Sack: Sie rechnet mit einer Verschiebung um bis zu neun Monate. Nach âTagesspiegelâ-Informationen gilt der ursprĂŒnglich geplante Termin am 30. Oktober 2011 inzwischen als völlig unwahrscheinlich.
Den schwarzen Peter schiebt die FlughafengeschĂ€ftsfĂŒhrung zum einen der Planungsfirma fĂŒr den Terminal-Innenausbau zu, die insolvent gegangen ist und der EU. Letztere soll mit ihren neuen Sicherheitsvorschriften fĂŒr eine notwendige Verdoppelung des FlĂ€chenbedarfs fĂŒr die Sicherheitsschleusen gesorgt haben.
Eine endgĂŒltige Entscheidung ĂŒber den Fortgang der Arbeiten und die Eröffnung des BBI trifft der Aufsichtsrat unter Vorsitz von Berlins Regierendem BĂŒrgermeister Klaus Wowereit (SPD) am 25. Juni. An diesem Termin sollen auch Vertreter von Lufthansa, Air Berlin, Easyjet und Ryanair teilnehmen. Mit ihnen will Wowereit direkt ĂŒber die GebĂŒhrenpolitik am BBI sprechen.
Dass Wowereit und nicht Flughafenchef Dr. Rainer Schwarz am 25. Juni die GesprĂ€che fĂŒhren wird, wird laut Mopo in Flughafenkreisen als Vertrauensverlust gegenĂŒber Flughafenchef Rainer Schwarz gewertet. Intern kursieren laut Mopo GerĂŒchte, wonach der eigentliche Skandal nicht die BBI-Verzögerung, sondern die angeblich bewusste Desinformation des Regierenden BĂŒrgermeisters durch die FlughafengeschĂ€ftsfĂŒhrung ist.
Quelle: http://dmm.travel/news/artikel/lesen/2010/06/dunkle-wolken-ueber-bbi-und-dem-flughafenchef-29427/
Thursday, 20. May 2010
Tapferer Stadtrat stoppt Abrissbirne
Ein Kampf wie David gegen Goliath um die Deutschlandhalle. Am Donnerstag widersetzte sich Klaus-Dieter Gröhler (44, CDU), Baustadtrat in Charlottenburg-Wilmersdorf, den AbrissplÀnen des Senats.
Die Messe wolle nur ein gerĂ€umtes BaugrundstĂŒck fĂŒr einen Neubau erhalten, sagte er. Doch wirtschaftliche GrĂŒnde könnten sich nicht gegen âdas hohe Gut am Erhaltungsinteresse des Baudenkmalsâ durchsetzen. Der CDU-Stadtrat kritisierte, dass alle KompromissbemĂŒhungen mit dem Senat gescheitert seien. Das Bezirksamt habe erreichen wollen, dass Teile der Halle in einen Neubau einer Kongress- und Messehalle integriert werden.
Berlins Regierender Klaus Wowereit (56, SPD) reagierte verĂ€rgert. Er habe âkein VerstĂ€ndnisâ, wenn ein CDU-Stadtrat und das Bezirksamt die Entscheidung verzögerten. âWir wollen nach wie vor den Abriss der Deutschlandhalle.â
2008 hatte der Senat die Sanierung des ICC bei laufendem Kongress-Betrieb beschlossen â einschlieĂlich Abriss der einst gröĂten Mehrzweckhalle der Welt.
Wie es jetzt weitergeht? âIch warte zunĂ€chst den Beschluss mit der BegrĂŒndung des Bezirks abâ, sagte Bausenatorin Ingeborg Junge-Reyer (63, SPD) der B.Z.: âDann entscheiden wir anhand der Argumente, wer Recht hat.â Soll heiĂen: Der Senat urteilt, ob Denkmalschutz eine höhere Bedeutung hat als wirtschaftliche Interessen der Messe.
Die Deutschlandhalle, zu den Olympischen Spielen 1936 errichtet, war Austragungsort von Sport- und Konzertveranstaltungen. Die Rolling Stones, The Who, Queen und Frank Sinatra traten hier auf.
Im Streit um die ICC-Sanierung deutete Wowereit gestern eine Neubewertung des Senats an. Sollte es zur Modernisierung doch geschlossen werden, mĂŒsse ein âadĂ€quater Ersatzbauâ errichtet werden. Wowereit: âWir können die Kongresse nicht an Berlin vorbeiziehen lassen.â
Tuesday, 18. May 2010
Wer hat das Sagen in der Berliner SPD?
Die Berliner SPD rĂŒckt immer weiter nach links, findet Gunnar Schupelius.
Franziska Drohsel (29) aus Berlin ist die Chefin der SPD-Jugendorganisation âJusosâ. Sie setzt sich fĂŒr Koalitionen mit der Linkspartei ein, auch zur Bildung einer Bundesregierung, und will das âkapitalistische Systemâ ĂŒberwinden.
Sie hat jetzt angekĂŒndigt, vorzeitig vom Juso-Vorsitz zurĂŒcktreten zu wollen. Sie hat auf Kosten des deutschen kapitalistischen Systems, das sie bekĂ€mpft, Jura studiert und dabei von anderen europĂ€ischen kapitalistischen Systemen einen Studienaufenthalt in Rom finanziert bekommen (Erasmus-Programm).
Jetzt will sie wahrscheinlich erst einmal Karriere machen, im kapitalistischen System nehme ich an. Da bleibt keine Zeit mehr fĂŒr die Politik. Franziska Drohsel wird sicherlich auf die politische BĂŒhne zurĂŒckkehren. Denn sie denkt so, wie die Mehrheit der Sozialdemokraten in Berlin heute denkt: radikal sozialistisch, wirtschaftsfeindlich. Die âBerliner Linkeâ, eine radikale Gruppierung, hat in der hiesigen SPD lĂ€ngst die Mehrheit.
Die âBerliner Linkeâ hat kein Gesicht, keinen Kopf, keinen AnfĂŒhrer. Aus ihrer Mitte heraus aber werden inzwischen die wichtigen Entscheidungen getroffen und sei es nur, um den Weiterbau der Stadtautobahn in Berlin zu verhindern. Diese Sozialdemokraten denken schon lĂ€ngst nicht mehr an den ganz normalen BĂŒrger, der auf Sicherheit und eine funktionierenden Wirtschaft angewiesen ist oder der im Zusammenleben mit AuslĂ€ndern Probleme hat. Die SPD heute besteht aus Leuten, die die Linkspartei am liebsten noch links ĂŒberholen wĂŒrden. Ăber allen thront Herr Wowereit, losgelöst von der Wirklichkeit in seiner Partei und regiert diese Stadt mit einer Hand voll Fahrensleuten, die ihm ergeben sind. Die gute alte SPD, die uns im freien Berlin Jahrzehnte lang durch Dick und DĂŒnn getragen hat, die gibt es nicht mehr.
Tuesday, 27. April 2010
Wowereits Tempelhof Masterplan â ein historisches DĂ©jĂ -vu?
Historische Quellen belegen, dass die Umgestaltung des Tempelhofer Feldes bereits vor 80 Jahren eine Vision des letzten Deutschen Reichskanzlers Adolf Hitler war. Jedoch wurde dieser Plan nie in die Tat umgesetzt - bis heute.
WĂ€hrend Klaus Wowereit (SPD) und seine politisch schwer in Schlagseite geratene Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) der Ăffnung des Tempelhofer Feldes am 8. Mai fĂŒr die Bevölkerung entgegenfiebern, befinden sich die Umgestaltungsarbeiten auf dem Flugfeld in den letzten ZĂŒgen. Nachdem das weltbekannte FlughafengebĂ€ude bereits 2009 einer einzelnen Modemesse als Veranstaltungsort gefĂŒgig gemacht wurde und dabei unter anderem auch viel denkmalgeschĂŒtzte Bausubstanz lassen musste, ist nun das AuĂengelĂ€nde frisiert und allein einem politischen Egomanenwillen angepasst worden.
Was sich mit wenigen Handgriffen aus dem Asphalt der beiden Runways herausfrĂ€sen lieĂ, stapelt sich nun in GebĂ€ude 102 auf dem GelĂ€nde: alle Niederflurlampen, Taxilights und Randbefeuerungen der Bahnen sind entfernt. Die Verkabelungen wurden kurzerhand zerschnitten (oder auch âfreigeschaltetâ, wie der Berliner Senat seine Anwaltskanzlei Geulen und Klinger in deren SchriftsĂ€tzen nett umschreiben lieĂ), und die ĂŒber 2000 Löcher sind mit Asphalt verfĂŒllt worden. Rings um das GelĂ€nde herum ziert mittlerweile ein hochwertiger, frisch gegossener, lĂŒckenloser Asphaltweg fĂŒr kommende Skatergenerationen den Rand â in einer QualitĂ€t, wie man sie sich auf den vom Winter immer noch stark gezeichneten StraĂen vielerorts in der Stadt eindeutig dringender wĂŒnscht.
Es wird in Tempelhof offensichtlich an nichts fehlen, wenn ab dem zweiten Mai-Wochenende die von Junge-Reyer vielgepriesenen 200.000 Berlinerinnen und Berliner mit ihren Gleitschirmdrachen, Hula Hoop-Reifen und Rollgrills frohlockend ĂŒber das Flugfeld wandeln und ein Berliner Turnverein seine vor Ort gemieteten SportflĂ€chen in Beschlag nimmt.
ALLES SCHONMAL DA GEWESEN
Doch was angesichts des schon frĂŒh bekannt gewordenen Tempelhof-Masterplans von Klaus Wowereit jedem VernĂŒnftigen kalte Schauer ĂŒber den RĂŒcken jagte, ist in Wahrheit nichts anderes als die Wiederholung der Geschichte bzw. die Vollendung eines schon vor ĂŒber 80 Jahren gefassten Planes.
RĂŒckblick: der letzte Reichskanzler, der gegen Ende der 1930er Jahre ĂŒber die Zukunft des Flughafens Berlin-Tempelhof sinnierte, wollte den Flughafen deutlich gröĂer haben (bis weit hinein in das heutige Neukölln) â doch mangels Freiraum war dieser Wunsch schon damals nicht umsetzbar. Zudem war er sich sicher, dass der regulĂ€re Flugverkehr eines nahen Tages stark zunehmen und Tempelhof als innerstĂ€dtischer Airport diesem Verkehrsaufkommen nicht mehr gewachsen sein wĂŒrde. Es war eine Vision, diesen Airport stillzulegen und das Flugfeld der Ăffentlichkeit zur sportlichen und freizeitlichen Nutzung zu ĂŒberlassen (vgl. âDer letzte Zeugeâ, Piper Verlag). Generalbauinspektor Albert Speer war sich indes damals schon von vorneherein sicher, dass Tempelhof allenfalls 10 Jahre als Flughafen zu gebrauchen sei und es gab auch bereits ein Konzept, wie man den Flugverkehr wirkungsvoll auĂerhalb der Innenstadt im Umland konzentrieren könnte (vgl. âDer Flughafen Tempelhofâ, Lukas Verlag). War dieses Konzept damals etwa der allererste Konsensbeschluss zur Flughafenplanung in Berlin?
Am 4. November 1939 schreibt schlieĂlich eine heute immer noch existente Berliner Flughafengesellschaft an das Berliner Finanzamt (das Schreiben befindet sich im Archiv der Behörde und liegt Roger als Abschrift vor) und bestĂ€tigt schriftlich die Stillegung Tempelhofs. Ein solches Schreiben gab es in der Geschichte Tempelhofs ebenfalls ein zweites Mal.
TOT GESAGTE LEBEN LĂNGER
Blicken wir in der Geschichte dieses Airports zurĂŒck, so hat der Flughafen Tempelhof offenbar beste Ăbung darin, Entscheidungen aus MittelmaĂ und WillkĂŒr politischer EinzeltĂ€ter mĂŒhelos zu ĂŒberdauern und dabei sogar noch seinem Namen in der Historie auf ewig alle Ehre zu machen: Ă€ltester Flughafen der Welt und âMutter aller FlughĂ€fenâ. Jede Marketingagentur wĂ€re fĂŒr eine solche Leistung heutzutage mit den höchsten Auszeichnungen ĂŒberhĂ€uft worden.
Deutlich schlechter lief es dagegen fĂŒr die SchlieĂungskampagne des Berliner Senats 2008, wo es auf allen Plakaten in der Stadt hieĂ: âIck zahlâ doch nicht fĂŒrân VIP-Flughafenâ. Angesichts der von Wowereit betriebenen Luxus-UmbaumaĂnahmen in Tempelhof und der durch ihn aufgehĂ€uften Kosten erscheint dieser Wahlspruch von einst heute in einem völlig neuen Licht â und treibt dem geneigten Steuerzahler zu Recht die TrĂ€nen in die Augen:
10 Millionen Euro fĂŒr den Umbau des GebĂ€udes und die voluminöse Heizungsanlage, 35 Millionen fĂŒr den Aufkauf von GelĂ€ndeanteilen des Bundes, jĂ€hrlich 14 Millionen Euro fĂŒr die Betriebskosten des GebĂ€udes, 4,7 Millionen Euro jĂ€hrlich fĂŒr die Parklandschaft - und nicht zu verschweigen die 300.000 Euro allein fĂŒr die beiden Eröffnungstage im Mai. Dem gegenĂŒber stehen mickrige Einnahmen von gerade mal 5 Veranstaltungen im Jahr, wobei immer noch nicht geklĂ€rt ist, ob die Bread&Butter denn auch jemals wirklich Miete gezahlt hat.
Und als BĂŒrger und Betrachter dieser traurigen Geschichte muss man sich gnadenlos eingestehen: politischer GröĂenwahn und Selbstherrlichkeit kennen auch nach 80 Jahren offensichtlich immer noch keine Grenzen. Inzwischen zahlen wir also nicht mehr fĂŒr einen VIP-Flughafen, sondern viel schlimmer: wir zahlen fĂŒr Wowereits Bonzen-Park mit totem Eventcenter.
erschienen im ârogerâ Luftfahrtmagazin 05|2010, http://www.rogermagazin.de
Monday, 22. March 2010
Thilo Sarrazin - "ĂuĂerungen nicht rassistisch"
Thilo Sarrazin darf sich bestĂ€tigt fĂŒhlen. Seine Partei verzichtet darauf, seine umstrittenen Interview-ĂuĂerungen ĂŒber tĂŒrkische und arabische Einwanderer und den fehlenden ökonomischen Nutzen groĂer Teile der Unterschicht zu sanktionieren.
Der Bundesbank-Vorstand und frĂŒhere Berliner Finanzsenator darf Mitglied der SPD bleiben, so die Entscheidung der Landesschiedskommission, die den Konfliktparteien gestern Nachmittag zugestellt wurde. Nicht einmal eine RĂŒge muss Sarrazin hinnehmen. "Ich konnte mir nie vorstellen, dass man meine Aussagen als rassistisch einstufen kann"; sagte Sarrazin der Berliner Morgenpost: "Das ergibt sich aus dem ganzen Kontext nicht." In der Sache seien seine Aussagen nicht bestritten worden.
Die Parteirichter des Landesverbandes folgten in ihrer Bewertung der mĂŒndlichen Verhandlung vom 1. MĂ€rz der EinschĂ€tzung des Kreisschiedsgerichts Charlottenburg-Wilmersdorf, das in dem langen GesprĂ€ch Sarrazins mit der Zeitschrift "Lettre International" ebenfalls kein parteischĂ€digendes Verhalten des Ex-Senators erkennen konnte. Nach dem Freispruch in erster Instanz hatten Parteilinke wie der SPD-Kreisverband Spandau mit seinem Vorsitzenden Raed Saleh und der Ortsverein Alt-Pankow mit dem Abgeordneten Torsten Schneider dem Bundesbanker "Rassismus" vorgeworfen, fĂŒr den in der SPD kein Platz sei.
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Dieser Vorwurf geht jedoch fehl, argumentierten die Parteijuristen, die ihren Spruch auf sieben Seiten begrĂŒndeten. Rassismus sei Sarrazin nicht vorzuwerfen, weil er seine Kritik nicht nur auf tĂŒrkische und arabische Migranten, sondern auch auf die deutsche Unterschicht bezogen habe. Zudem habe er durchaus zwischen Migranten differenziert. "Die Volkspartei SPD muss solche provokanten ĂuĂerungen aushalten", heiĂt es. Sarrazin habe der Debatte um Integrationspolitik "neuen Schwung" verliehen.
SPD-Landeschef Michael MĂŒller sagte, er halte Sarrazins Aussagen "nach wie vor fĂŒr politisch falsch". Sarrazin mache "mit seinen zusammengewĂŒrfelten Aussagen zur Migration viel kaputt". Aber jetzt lĂ€gen zwei gĂŒltige SchiedssprĂŒche vor, die ganz klar sagten: Diese Aussagen sind kein Grund fĂŒr einen Parteiausschluss. "Das Verfahren ist beendet und die Entscheidung zu respektieren", sagte MĂŒller: "Wir sollten uns stattdessen inhaltlich damit beschĂ€ftigen, wie wir mit unserer Politik Integration in der Stadt stĂ€rken und fördern."
Genau in diese Debatte will sich auch Sarrazin weiter einmischen. Wenn sich die Gelegenheit biete, werde er sich erneut zum Thema Integration Ă€uĂern. Die SPD komme nicht daran vorbei, die Frage zu beantworten, wie sie erreichen wolle, dass in 30 Jahren in Neukölln und anderswo mindestens 90 Prozent der Menschen einen Schulabschluss schafften, einen bĂŒrgerlichen Beruf anstrebten und anstĂ€ndig Deutsch sprĂ€chen. Seiner SPD empfahl Sarrazin, ihre Integrationspolitik realitĂ€tstauglich zu machen. "Das gelingt nur, wenn Probleme klar angesprochen und differenziert analysiert werden", sagte der Bundesbank-Vorstand.
Seine Gegner vom linken ParteiflĂŒgel reagierten enttĂ€uscht. "Ich bedauere die Entscheidung", sagte Spandaus Kreischef Raed Saleh. Er bleibe dabei, dass Positionen wie die Sarrazins "in der SPD keinen Platz haben" dĂŒrften. Der palĂ€stinensisch-stĂ€mmige Abgeordnete verweist auf die letzten Passagen der UrteilsbegrĂŒndung. Darin heiĂt es, das jetzige Urteil sei "kein Freifahrschein fĂŒr alle kĂŒnftigen Provokationen". Wer den Menschen mit rein ökonomischen Begriffen auf seine wirtschaftliche NĂŒtzlichkeit reduziere und z. B. von KopftuchmĂ€dchen spreche, entferne sich vom "humanen und emanzipatorischen Menschenbild", fĂŒr das die SPD stehe. "RundumschlĂ€ge gegen weite Bevölkerungsschichten und -gruppen sind auf Dauer geeignet, sich negativ auf die SPD auszuwirken."
Sarrazin sagte der Berliner Morgenpost, er werde selbstverstĂ€ndlich in der SPD bleiben, der er seit 1973 angehöre. Die vielen positiven Reaktionen auf seine Worte hĂ€tten ihm gezeigt, dass seine Gegner von der Parteilinken "die Mehrheiten im Volk aus den Augen verloren" hĂ€tten. Sie mĂŒssten prĂŒfen, ob sie noch die Interessen einer Volkspartei vertreten wollen, die den Anspruch habe, die Lebenslagen der Menschen widerzuspiegeln. Ihnen gehe es nicht um Mehrheiten fĂŒr die SPD. "Sie streiten eher fĂŒr Mehrheiten innerhalb der Partei", sagte Sarrazin.
Nachdem das Verfahren in seinem Sinne abgeschlossen ist, lieferte der Ex-Senator auch erstmals seine Interpretation der HintergrĂŒnde der Attacken auf ihn ab. Die Auseinandersetzung um seine Person sei "Teil eines Kampfes um die innerparteiliche Definitionsmacht in der Berliner SPD": "Ich war ein willkommenes Objekt fĂŒr Auseinandersetzungen", sagte Sarrazin. Landeschef MĂŒller und der Regierende BĂŒrgermeister Klaus Wowereit (SPD) litten schon lĂ€nger daran, "dass es ihnen an einer Mehrheit fĂŒr die eigene Politik mangelt".
Quelle: Berliner Morgenpost 16. MĂ€rz 2010
Monday, 7. December 2009
Die Kluft zwischen Versprechen und RealitÀt
Die Schweizer haben sich das Recht bewahrt, ĂŒber Fragen, die das Land bewegen, nicht allein die Regierung entscheiden zu lassen. So sprach das Volk vor einer Woche sein Verbot fĂŒr den Bau von Minaretten aus.
Das Verdikt ist zur Belastungsprobe fĂŒr das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen ĂŒber die Grenzen der Alpenrepublik hinaus geworden. Es stellt zugleich die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Volksabstimmungen. Nicht fĂŒr die Schweizer. Die werden sich dieses Recht nicht rauben lassen. Wohl fĂŒr uns Deutsche. Viele schauen neidisch auf den kleinen Nachbarn im SĂŒdwesten.
Mehr Mut zu direkter Demokratie, stĂ€rkere Beteiligung und Einmischung der BĂŒrger in politische Entscheidungsprozesse - das sind populĂ€re Forderungen auch hierzulande. JĂŒngst plĂ€dierte der neue SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel dafĂŒr. Das allerdings wĂŒrde das politische System der Bundesrepublik Deutschland ziemlich durcheinanderwirbeln. Es basiert auf der reprĂ€sentativen Demokratie, in der das Volk in bestimmten AbstĂ€nden (im Bund alle vier, in den LĂ€ndern alle fĂŒnf Jahre) seine Abgeordneten wĂ€hlt, die dann seine Interessen wahrnehmen. Mitbestimmung darĂŒber hinaus in Form von Volksbegehren und Volksentscheiden sind allein in Landesverfassungen vorgesehen. Aber schon da zeigt sich eine demokratiefeindliche Kluft zwischen Versprechen und RealitĂ€t. In Berlin hat die rot-rote Koalition gleich drei Mal in jĂŒngster Zeit bekundet, was sie in der Praxis von mehr direkter Demokratie hĂ€lt. Ein positives Votum fĂŒr den Flughafen Tempelhof sollte ignoriert werden, Pro Reli wurde bekĂ€mpft, die Versenkung von Media Spree wird weiter folgenlos belĂ€chelt. Mehr Demokratie? Auf dem Papier sind auch viele Politiker dafĂŒr. Wenn es aber ernst wird, passt es ihnen selbst auf der eher kleinteiligen Landesebene schon nicht. Wer Volksabstimmungen in seine Verfassung hineinschreibt, hat die Ergebnisse gefĂ€lligst zu befolgen. Was auf Landesebene noch vertretbar sein mag, kann auf der bundespolitischen BĂŒhne an den Grundfesten des Staates rĂŒtteln. Wer Plebiszite auch ĂŒber bundespolitische Themen einfĂŒhren will, der kann Volksentscheide schwerlich auf ein paar belanglose Themenfelder beschrĂ€nken. Der muss, will er glaubwĂŒrdig sein, die Zukunft des Landes bestimmende Entscheidungen aus dem Bundestag verlagern und dem Volk ĂŒbertragen. Ist das wirklich sinnvoll? Sprechen Geschichte und Emotionalisierungspotenzial der Deutschen wirklich dafĂŒr?
Die Erfahrung spricht dagegen. FĂŒr alle entscheidenden Weichenstellungen der Bundesrepublik hĂ€tte es in Volksentscheidungen schwerlich Mehrheiten gegeben. Nicht fĂŒr die Wiederbewaffnung und damit fĂŒr die Westintegration, nicht fĂŒr die NachrĂŒstung als wichtige Voraussetzung fĂŒr die Wiedervereinigung, nicht fĂŒr den Euro. Emotionen gehören zum politischen GeschĂ€ft, schaden aber Entscheidungen ĂŒber den Tag hinaus.
Vor hohlen Versprechungen und falschen Hoffnungen sei also gewarnt. Der Demokratie wĂ€re schon gedient, wĂŒrden die Plebiszite in den LĂ€ndern endlich respektiert.
Quelle: Morgenpost - Sonntag, 6. Dezember 2009
Monday, 9. November 2009
Sagen, wer Kanzler werden sollte
Berlins Regierender BĂŒrgermeister Klaus Wowereit (SPD) findet, "seit Jahren wĂ€re diese Bundesrepublik auch in der Lage, einen schwulen Kanzler zu haben". Hm. An wen er da wohl gedacht hat, als er das im Interview mit Bild am Sonntag sagte? Sicherheitshalber hat er noch hinzugefĂŒgt: "Aber gewĂ€hlt wird in der Demokratie nach der Politik, die jemand anbietet."
Das war allerdings erst der Anfang! In den nĂ€chsten Interviews wird Wowereit konkreter werden: "Diese Republik ist bereit fĂŒr einen linken Sozialdemokraten, der seit Jahren erfolgreich zeigt, wie man die Linkspartei bĂ€ndigen kann." Das allein sei aber in der Demokratie lĂ€ngst noch nicht entscheidend. Denn in dieser Bundesrepublik komme es auch auf die Herkunft an.
"Dieses Land braucht nun einen Berliner an der Spitze", wird Wowereit den Faden dann in seinem nĂ€chsten Interview wieder aufgreifen. Dadurch könnte diese Bundesrepublik zeigen, dass sie die Teilung endgĂŒltig ĂŒberwunden hat. Doch die Herkunft allein reiche freilich in der Demokratie noch nicht fĂŒr einen Kandidaten: "Er muss auch schwul sein."
Quelle: taz, 09.11.2009
Friday, 6. November 2009
Die Wahrheit ĂŒber Tempelhof: Warum der Ă€lteste Flughafen der Welt wirklich geschlossen wurde
Quelle: ROGER LUFTFAHRTMAGAZIN, 30.10.2009
Ein Jahr nach der SchlieĂung ist nichts mehr so wie es war: keine erfolgreiche Nachnutzung, leere Versprechen des Senats - aber vor allem eine Kulisse aus Verschleierung, Manipulation und Ignoranz.
Am 30. Oktober vor 365 Tagen hoben um 23.55 Uhr die letzten beiden Maschinen vom Flughafen Tempelhof ab. Unvergessen die Abschiedsworte von FlugkapitÀn Jörg Kohne im Cockpit der JU52.
Berlins Regierender BuÌrgermeister Klaus Wowereit (SPD) trat noch vorher auf der von ihm arrangierten
âAbschiedspartyâ unter Ausschluss der Ăffentlichkeit an das Rednerpult und gab seine ganz eigene SchlieĂungsideologie zum Besten.
Die Reaktionen aus dem Publikum pfiffen ihm dabei wie ein geiĂelnder Hagelschauer um die Ohren.
Nicht nur, dass ein Drittel der GĂ€steplĂ€tze leer blieben â die anderen zwei Drittel standen auf den StuÌhlen und buhten den Regierenden lauthals aus.
Eine kuriose Szene â die jeder der Anwesenden so schnell nicht vergessen wird. Deutlich vor Ende der Veranstaltung rettete sich Klaus Wowereit in seine wartende Limousine und fluÌchtete unter anhaltenden Buhrufen sichtlich erzuÌrnter PartygĂ€ste uÌber das Flughafenvorfeld hinaus durch das Haupttor an der Feuerwache.
Es muss allen in Erinnerung bleiben, was seit diesem 30. Oktober 2008 mit der âMutter aller FlughĂ€fenâ passiert ist und vor allem, was die Wahrheit hinter der SchlieĂung von Tempelhof ist. Ein Jahr tiefgruÌndige Recherche war notwendig, um alle Facetten dieser gröĂenwahnsinnigen, rein politisch motivierten und von purer Egomanie gekennzeichneten Entscheidung offenzulegen.
Wowereits Tempelhof-GröĂenwahn kostet Berlins Steuerzahler uÌber eine halbe Milliarde Euro
Wahr ist, dass der Flughafen allein in 2007 einen Gesamtumsatzerlös von 32,42 Millionen Euro erwirtschaftete. Wahr ist auch, dass die landeseigene Flughafengesellschaft lediglich 150.000 Euro Pacht im Jahr fuÌr das gesamte Areal inklusive dem GebĂ€ude zahlte. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Tempelhof waren wirklich alles andere als duÌster.
Das vom Senat gebetsmuÌhlenartig kolportierte Tempelhof-Defizit entstand allein dadurch, indem die mangelhafte Vermarktung und Vermietungvon ungenutzten Teilen des GebĂ€udes sowie die Auswirkungen des Missmanagements auf das Plus des Flugverkehrs umgeschlagen wurde und sich am Ende der Rechnung ein Negativbetrag ergab.
Eine echte betriebswirtschaftliche âMeisterleistungâ - und jeder Berliner muĂte sie notgedrungen glauben.
Im nĂ€chsten Kapitel der FlughafenschlieĂung wurden alle Airlines mit Steuergeldsubventionen aus Tempelhof weggelockt: Teilweise wurden die LandegebuÌhren in Tegel nahezu âverschenktâ, nur damit auch die letzten LinienfluÌge von Tempelhof ab sofort woanders starten und landen wuÌrden.
Den Berlinern wurde dagegen erklĂ€rt, die Airlines hĂ€tten mangels RentabilitĂ€t dem Flughafen den RuÌcken gekehrt â und wieder mussten es die BuÌrger glauben.
Angestammten Luftfahrtunternehmen wurden in mehreren FĂ€llen schwindelerregende Geldsummen aus Steuergeldern geboten, damit sie den Flughafen freiwillig und vorzeitig verlassen wuÌrden. Diejenigen Firmen, die sich beim Standortwechsel nach Schönefeld mit Geldzahlungen unterstuÌtzen lieĂen, findet man dort heute unter anderem im Terminal C, wie beispielsweise den Rosinenbomber-Betreiber Air-Service-Berlin.
Doch damit war das groĂe Geldausgeben in Tempelhof noch nicht getan.
Im weiteren Verlauf des Jahres nach der SchlieĂung gab der Berliner Senat 35 Millionen Euro an Steuergelder aus, um die Alleinbefugnis uÌber den Airport zu erhalten und dem Bund damit restliche GelĂ€ndeanteile abzukaufen. Der Airport befindet sich nun somit in Berliner Alleinbesitz.
Damit in dem FlughafengebĂ€ude im Rahmen der vom Senat angestrebten Nachnutzung uÌberhaupt erst Veranstaltungen stattfinden konnten, waren umfangreiche Umbauten notwendig: WĂ€nde wurden entfernt, die Hangars bekommen eine teure Warm-Umluftheizung eingebaut. Allein diese BaumaĂnahmen schlagen mit uÌber 5 Millionen Euro Steuergeldern zu Buche. Dass diese UmbaumaĂnahmen in einigen Teilen des GebĂ€udes gegen Denkmalschutzauflagen verstieĂen, ist den Berlinern weitgehend verborgen geblieben.
Berlins Regierender BuÌrgermeister Klaus Wowereit möchte gerne eine Zentralbibliothek fuÌr 270 Millionen Euro auf dem FlughafengelĂ€nde bauen und steht in der Koalition mit diesem Vorhaben nahezu allein da. Die Haushaltsmittel dafuÌr sind natuÌrlich nicht vorhanden. Und Finanzsenator Ulrich NuĂbaum musste unter Druck in anderen Ressorts massiv kuÌrzen, nur um die benötigten Haushaltsreserven fuÌr die geplante Bibliothek einstellen zu können.
Und schlieĂlich ergab eine detaillierte Berechnung in Kreisen der Regierungskoalition, dass die weiteren Tempelhof-AusbauplĂ€ne von Klaus Wowereit die Berliner Steuerzahler sogar noch teurer zu stehen kommt als bisher angenommen: weitere 200 Millionen Euro sind notwendig, um das GelĂ€nde mit seinen Altlasten, Weltkriegserben, Bodenverschmutzungen und einer fehlenden Verkehrssicherung dauerhaft fuÌr die Ăffentlichkeit nutzbar zu machen.
Der Flughafen Tempelhof wurde im Alleingang mit bewusster TĂ€uschung der Ăffentlichkeit und den Tricks eines Taschenspielers in einem Atemzug geschlossen. Und niemand konnte etwas dagegen tun. Und wie wichtig diese fuÌr Klaus Wowereit guÌnstigen Rahmenbedingungen waren, sollte sich bald zeigen.
Das bedeutet, dass der Flughafen Tempelhof mit seiner SchlieĂung und den PlĂ€nen von Klaus Wowereit weit uÌber eine HALBE MILLIARDE EURO kosten wird. Und die teuren Unterhalts- und Erhaltungskosten des denkmalgeschuÌtzten GebĂ€udes von jĂ€hrlich fast 30 Millionen Euro sind noch nicht einmal enthalten.
Nachnutzung â kein Erfolg fuÌr Wowereits GeschĂ€ftspartner
Der Berliner Senat beauftragte nach der SchlieĂung von Tempelhof die landeseigene Immobilienmanagementfirma BIM GmbH mit der Verwaltung und Vermarktung des FlughafengebĂ€udes und -gelĂ€ndes. Damit stand Klaus Wowereit nun gehörig unter Zugzwang, schlieĂlich musste er der Ăffentlichkeit doch Ergebnisse prĂ€sentieren, dass er mit der SchlieĂung zum Wohle der Anwohner, der Berliner Bevölkerung und vor allem zum Wohle seiner WĂ€hler und seinem Koalitionspartner DIE LINKE gehandelt hatte.
Doch auch drei Monate nach der SchlieĂung blieben die Nachnutzungs- und Vermarktungserfolge aus. In einem Zeitungsinterview gibt der BIM-GeschĂ€ftsfuÌhrer Sven Lemiss unumwunden zu, dass die kostendeckende Vermarktung von Tempelhof weitaus schwieriger ist als alle gedacht haben und dass ein deutliches Minus jedes Jahr bleiben wuÌrde.
Der Druck auf Berlins Regierenden BuÌrgermeister stieg durch diesen öffentlichen Offenbarungseid erneut. Die Mitarbeiter erinnern sich noch sehr genau, als Klaus Wowereit einen Tag vor Weihnachten am 23. Dezember 2008 vor Ort im AuĂenbuÌro der BIM am Flughafen auftrat und massiv Erfolge einforderte. Er lieĂ sich das GelĂ€nde zeigen und machte sich so zum ersten Mal ein eigenes Bild von seinem âWerkâ. Gleichsam gab er bekannt, dass er sich nun auch persönlich um die Vermarktung Tempelhofs kuÌmmern werde. GluÌcklich sah Klaus Wowereit an diesem Tag jedenfalls nicht aus.
Bread&Butter: Mietvertrag versteckt
Am 28. Januar 2009 um 10 Uhr war es dann soweit: Der Regierende verkuÌndet bei einer Pressekonferenz, dass die Modemesse âBread&Butterâ der erste Ankermieter fuÌr den geschlossenen Flughafen Tempelhof sein wuÌrde. Zehn Jahre lang, zweimal im Jahr. Und das Ganze fuÌr jĂ€hrlich 1,65 Millionen Euro. Angeblich. Denn ersten Erkenntnissen zufolge zahlt die Modemesse in den ersten zwei Jahren nicht einen einzigen Cent. Ein freundschaftlicher Mietzuschuss auf Kosten der Steuerzahler wird vermutet.
Besonders imposant: Messechef Karl-Heinz MuÌller posierte am Tag nach der Pressekonferenz noch in einem selbstgedrehten Video auf seiner Firmenwebseite und erklĂ€rte in die Kamera seine Visionen: zum Beispiel dass er in Zukunft seine Modemesse alle paar Jahre in einer anderen Stadt auf dieser Erde stattfinden lassen möchte. Wie lange wird die Messe also in Berlin bleiben?
Und warum macht Klaus Wowereit so ein immenses Geheimnis um den Mietvertrag und schuÌtzt ihn stĂ€rker vor neugierigen Blicken als Coca Cola die eigene Brausenrezeptur?
Wahr ist, dass sich Karl-Heinz MuÌller und Klaus Wowereit kennen und dass eine zweimalige Modemesse im Jahr jede andere Form von langfristiger, durchdachter und wirtschaftlicher Nutzung verhindert. Wahr ist auch, dass keine der vielen Bread&Butter-Firmen laut Auskunft des Creditreform-Registers uÌber nennenswertes Eigenkapital verfuÌgt. Wahr ist auch, dass Bread&Butter mehrere tausend Gratis-Flugtickets an Veranstalter und Kunden schickte, damit genuÌgend Leute den Weg nach Berlin finden wuÌrden. Die nach auĂen verkaufte bunte Scheinwelt âEndlich ist die Modemesse wieder in Berlinâ sah hinter den Kulissen nĂ€mlich deutlich trostloser aus.
Und wĂ€hrend die Bread&Butter-Messe in der Vorbereitung steckte, jĂ€hrte sich zwischenzeitlich am 12. Mai 2009 das Ende der Blockade in Berlin zum sechzigsten Mal. Im Roten Rathaus sahen die Planungen dazu so aus: Klaus Wowereit engagierte die ihm nahestehende Agentur Flaskamp mit dem Auftrag, diesen Tag der Offenen TuÌr zu veranstalten. Budget, um diesen denkwuÌrdigen Tag wuÌrdevoll und angemessen durchzufuÌhren, gab es natuÌrlich nicht. Einzig die Berliner Lottogesellschaft hat aus Spieleinnahmen einen niedrigen sechstelligen Betrag zur VerfuÌgung gestellt. Der Rest sollte durch Spenden finanziert werden. Und so machten sich die Flaskamp-Mitarbeiter auf, einen Spendenmarathon loszutreten â und muĂten alsbald feststellen, dass sich die traditionsreichen Berliner Unternehmen nicht so recht mit Spendengeldern an den SchlieĂungsvisionen des Regierenden BuÌrgermeisters beteiligen wollten. Das Ergebnis war eine Art Schmalspur-AusfuÌhrung des JubilĂ€umstages in der Halbherzig-Sonderedition, wie es ihn in Tempelhof vorher noch nie gegeben hat. Der Besucherandrang war dementsprechend und die gefuÌhlten fuÌnf GrillwuÌrstchen-Pavillions machten einen verlorenen Eindruck vor dem GebĂ€ude. Die MaĂgabe der Berliner Senatskanzlei war, dass diese Veranstaltung ânichts kosten darfâ â und genau das hat jeder einzelne Besucher an diesem Tag zu spuÌren bekommen.
Als der Rosinenbomber um 15 Uhr seine Ehrenrunden uÌber Tempelhof beendet hatte, machten sich alle Besucher schlagartig auf den Heimweg und der vorher so groĂ angekuÌndigte Auftritt der Band âDie Puhdysâ fiel mangels Zuschauern einfach aus.
Nachnutzung löst sich in Rauch auf
Mitte Juni 2009 bezog eine weitere Wowereit-Veranstaltung das FlughafengelĂ€nde: die Pyromusikale, veranstaltet von einem abtruÌnnigen Mitarbeiter der jĂ€hrlichen Pyronale vom Berliner Maifeld. Das ehrgeizige Ziel: drei Tage lang das gröĂte Feuerwerk-Musikfestival der Welt geben.
Messeaufbau fuÌr die Modemesse Bread&Butter. Die Veranstaltung findet nur 2 mal im Jahr statt und verhindert so eine nachhaltig wirtschaftliche Nutzung des GelĂ€ndes. Die WerbemaĂnahmen zu dieser eingefĂ€delten Veranstaltung begannen schon ein halbes Jahr vorher im Winter, ausschlieĂlich in den Haltestellen-WerbekĂ€sten der senatseigenen BVG sowie im Programm von zwei Radiosendern, deren Chefetage mit Klaus Wowereit privat sehr eng befreundet ist. Im Internet war die Veranstaltung sogar schon âfast ausverkauftâ, wie auf der Pyromusikale-Webseite zu lesen war. Die drei Feuerwerk-Tage kamen â nur nicht die vielen Hunderttausend Festivalbesucher, die der Veranstalter so dringend erwartete. Mehr als 250.000 Besucher wĂ€ren auf alle FĂ€lle notwendig gewesen, um die drei Tage kostendeckend zu bekommen.
Besonderen Aufwand machte jedoch die Pyromusikale im Vorhinein: Der LĂ€rm der Knallkörper stört die Natur- und Artenschutzzonen auf dem GelĂ€nde, der Pulverrauch war nicht mit der Umweltzone vertrĂ€glich, in der der Airport nunmal liegt, und schlieĂlich ist LĂ€rm nach 23 Uhr in der Innenstadt generell tabu. All dieses wurde dem Veranstalter schriftlich durch die Senatsverwaltung fuÌr Stadtentwicklung zur Kenntnis gegeben. Doch auch hier zeigte sich erneut der starke Wille des Regierenden, der innerhalb des Senats die entscheidenden Weichen stellte: auf wundersame Weise gab es kurze Zeit spĂ€ter von einem Tag auf den
anderen keine Bedenken mehr zum Artenschutz, von einer Umweltzone war auch nie die Rede und seit wann verursachen Hanabi-Feuerblumen mit 800 Metern Durchmesser irgendwelche lÀrmenden GerÀusche?
Eine schöne Pferde-Fassade fuÌr Tempelhof
Im Herbst 2009 folgte die nĂ€chste GroĂveranstaltung in Tempelhof: das Hauptstadt-Turnier des Berlin Horse Clubs. Nach eigenen Angaben ein Traditionsturnier, das schon immer in Berlin abgehalten wurde und aus Mangel an Interesse aber vor Jahren auslief. In Tempelhof lebte es wieder auf und welcher Zufall am Rande: der Berlin Horse Club wurde kurzfristig wenige Wochen nach der SchlieĂung von Tempelhof uÌberhaupt erst gegruÌndet.
Und auch die zeitliche NĂ€he weniger Tage von Club-GruÌndung bis VorankuÌndigung der Veranstaltung durch den Senat Ende 2008 war kein Zufall. Apropos NĂ€he: falls es noch Nachfragen des Berlin Horse Clubs zum Veranstaltungsort Tempelhof gegeben haben sollte â die Residenz des Horse Clubs am Kuâdamm befindet sich tatsĂ€chlich nur wenige Hausnummern von Klaus Wowereits Privatwohnung entfernt.
Eines der letzten groĂen Events in diesem Jahr auf dem FlughafengelĂ€nde war das Berlin-Freestyle-Event: eine riesige Sprungschanze vor dem GebĂ€ude, Lautsprecher und BildleinwĂ€nde â und fast hĂ€tte die Veranstaltung wegen Besuchermangels abgesagt werden können. Am selben Wochenende fand die fest etablierte Jugendmesse âYOUâ in den Messehallen am Funkturm statt, mit Skateboardern und coolen Teens auf schnellen Brettern. Und so blieb auch diese Veranstaltung in Tempelhof weit hinter den Erwartungen zuruÌck. In einer nachtrĂ€glichen Bewertung gab dann auch die Sprecherin des Veranstalters im Pressestatement zu, dass man sich ein wenig mehr Besucher gewuÌnscht hĂ€tte. Eine starke Untertreibung fuÌr das intern kursierende Wort âTotalausfallâ.
Eine andere Idee der Nachnutzung kommt dagegen aus dem Hause Junge-Reyer, SPD. Die Stadtentwicklungssenatorin hatte schon im Januar diesen Jahres von Ihren PlÀnen Reden gemacht, auf dem FreigelÀnde einen Ort der Begegnung in Form eines Wiesen- und Blumenmeeres zu schaffen.
Am 3. und 4. Oktober 2009 sollte es soweit sein â mehrere dutzend SicherheitskrĂ€fte waren bestellt, um begleitete FuÌhrungen uÌber das GelĂ€nde anzubieten. Reisebusse standen abfahrbereit, um Bustouren uÌber die Runways durchzufuÌhren. Ein internes Rundmailing kuÌndigte âmehrere Tausend BuÌrgerâ an, die das FreigelĂ€nde begehen wollten. Das BuÌrgerinteresse wich aber auch hier wieder eklatant vom Wunschdenken des Senats ab: Mieter im GebĂ€ude mit der Fensterfront hinaus auf das Flugfeld wissen einhellig von âeher wenigen hundert Menschenâ zu berichten, die in den Weiten des GelĂ€ndes kaum auszumachen waren. Besonders interessant vielleicht noch der Hinweis, dass Ingeborg Junge-Reyer diese Ăffnungsversuche des GelĂ€ndes als âBuÌrgerbeteiligungâ bewirbt. Es darf mitbestimmt werden, was mit dem GelĂ€nde passieren soll. Doch ironischerweise haben die BuÌrger bereits mehrfach abgestimmt. Und die Stimm-Mehrheiten waren jedes Mal eindeutig, jedoch leider anders als vom Roten Rathaus gewuÌnscht.
Ruf nach Ideen â ohne Antwort
Und in dasselbe Ressort wie die GelĂ€ndeöffnung fĂ€llt auch der beruÌhmte âCall for ideasâ. Im Dezember 2008 brannte bei vielen Berliner Architekten und BuÌrgerinitiativen noch bis in die fruÌhen Morgenstunden das Licht: jeder wollte sich an diesem Ideenwettbewerb der Senatsverwaltung fuÌr Stadtentwicklung zur Gestaltung des Nord-Ost-GelĂ€ndeteils von Tempelhof beteiligen.
Die Fachfrau fuÌr diese Aufgabe: Regula LuÌscher aus der Schweiz. AnerkanntermaĂen kennt sie sich mit der Raumordnung und Umgestaltung aus und geduldig hörte sie sich alle vorgetragenen VorschlĂ€ge und BeamerprĂ€sentationen an â sogar ein Berg sollte inmitten des GelĂ€ndes entstehen.
Und ein Rotlichtmillieu-Projekt war ebenfalls dabei, es wurde von ihr sogar als besonders lobenswert hervorgehoben. Ebenfalls eingereicht wurde unter dem Stichwort âFlugpark Berlinâ ein in allen Aspekten umsetzungsfertiges Konzept, bei dem der Flughafen Tempelhof als Ausweichflughafen in Berlin bzw. als Verkehrslandeplatz fuÌr die Allgemeine Luftfahrt inklusive der Business-Aviation weiterbetrieben worden wĂ€re. Das Vorhaben sah zusĂ€tzlich die Einrichtung eines Live-Museums mit historischem FluggerĂ€t und vereinzelten Flugschauen vor.
Allen Teilnehmern wurde schriftlich zugesichert, dass man sich zeitnah wieder in Verbindung setzen wolle⊠Heute nach einem halben Jahr spricht keiner mehr uÌber den âCall for ideasâ⊠im Sande verlaufen. Sendepause. Nie da gewesen.
Und auch dieser Versuch Junge-Reyers bleibt noch zu nennen: die groĂe Internationale Gartenschau auf dem Flughafen Tempelhof im Jahr 2017.
Das bereits zitierte Blumen- und Wiesenmeer, die nach Meinung Junge-Reyers von den Berlinern so dringend verlangte BegegnungsstĂ€tte, soll nun Wirklichkeit werden. Was jedoch kam, war eine sehr nuÌchterne Reaktion: schon in der ersten Runde wurde der Berliner Bewerbung um die Veranstaltung auf dem AiportgelĂ€nde eine Absage erteilt.
Ingeborg Junge-Reyer muĂ sich also nun nochmal Gedanken machen.
Es sind allein acht Versuche eines BuÌrgermeisters und seiner Stadtentwicklungssenatorin aufgezĂ€hlt, die ihr selbst geschaffenes Problem Tempelhof mit aller Macht, schnell gestrickten Lösungen und mit vielen GeschĂ€fts-FREUNDEN in den Griff zu bekommen versuchen. Ohne Erfolg. Weder der GebĂ€ude-Vermarkter Wowereit noch seine GelĂ€ndewiesen-Beauftragte Junge-Reyer haben es mit ihren PlĂ€nen bisher geschafft, die BuÌrger, geschweige denn die Veranstalter, von Tempelhof zu uÌberzeugen.
PR fuÌr Klaus Wowereit
Das Schmierentheater rund um die Nachnutzung Tempelhofs funktioniert jedoch erst mit der richtigen PR-Maschinerie im RuÌcken perfekt.
Da wurde es fuÌr Klaus Wowereit nach möglichen Versprechungen an seine Veranstaltungskunden eng: die meisten auflagenstĂ€rksten Titel in Berlin haben schon fruÌh gezeigt, was von der SchlieĂung Tempelhofs zu halten ist. Hier war keine positive Berichterstattung zu erwarten.
NatuÌrlich gut fuÌr Klaus Wowereit, dass die Programm-Chefetage der RTL-Sender hier in Berlin (104.6 RTL und Spreeradio) zu seinem engsten privaten Freundeskreis zĂ€hlen. Man trifft sich privat und feiert gemeinsame Geburtstage. So gaben also zwei einzelne Radiosender in dieser Stadt jeweils bereitweillig ihre Logos fuÌr eine Medienpartnerschaft heraus und schalteten zusĂ€tzlich jede Menge Spots und Liveteaser im Programm zur Pyromusikale, dem Freestyle-Event und verlosten sogar Eintrittskarten en masse. Schon fast anbiedernd wirkten die stuÌndlichen Hinweise auf die vielen Gratis-Einladungen, wenn man denn rechtzeitig im Studio anrufen wuÌrde, um zu gewinnen.
Genutzt hat es freilich nichts, der Massenandrang fiel jedes Mal aus.
Eine weitere senatsgewogene Medienmacht in der Spreemetropole stellt der Berliner Verlag dar. Dieser betreibt im Auftrag der Senatskanzlei die Berlin-Webseite âberlin.deâ, die erste Adresse fuÌr alle BuÌrgerinnen und BuÌrger Berlins zum Thema Senat, Verwaltung und Hauptstadt. Deshalb verwundert es natuÌrlich nicht, dass die Titel dieses Verlages öfter mal unauffĂ€llig positiv uÌber die rosige Zukunft und die âerfolgreichenâ Veranstaltungen am Tempelhofer Flughafen berichteten.
Volksabstimmung ohne Konsequenzen
Es war eine der Errungenschaften der roten Politik: das Volk sollte auch wĂ€hrend einer Legislaturperiode abstimmen duÌrfen. DafuÌr wurde das Instrument âVolksbegehrenâ bzw. âVolksentscheidâ erfunden.
Und plötzlich wendete sich dieses Instrument gegen seinen eigenen Herrn â ALLE Abstimmungen zu Tempelhof waren nĂ€mlich eindeutig: keine SchlieĂung.
In allen Abstimmungen (April 2008, ICAT und Juni 2009, Be-4-Tempelhof.de) gab es jeweils mehr Zustimmung als Ablehnung fuÌr eine Offenhaltung.
Und in der ersten Abstimmung 2008 wurde berlinweit sogar so oft pro Tempelhof angekreuzt, dass am Ende diese Stimmenanzahl höher lag als die der SPD-Stimmen bei der letzten Abgeordnetenhauswahl.
FuÌr einen loyalen Politiker wĂ€re das ein Warnsignal gewesen. FuÌr Klaus Wowereit nicht. Er wurde nicht muÌde, zu erklĂ€ren, dass er sich an das Ergebnis egal welcher Abstimmung niemals halten wuÌrde.
Tat er am Ende auch nicht. Ist Klaus Wowereit noch ein Vertreter des Volkes?
Nachdem die Berliner Bevölkerung das uÌberaus teure Steuerzahlerdesaster rund um den geschlossenen Airport lange genug mit ansehen musste, sollte es in 2009 noch eine weitere berlinweite Abstimmung zu Tempelhof geben: Weltkultur-Erbe-Status sowie Ausweichflughafen wurde von den Initiatoren âBe-4-Tempelhof.deâ gefordert.
Die Einleitung des Volksbegehrens war angemeldet und auch vom Senat mit Wortlaut und Inhalt abgesegnet. Fast ein halbes Jahr wurden fleiĂig Stimmen gesammelt. Jedoch: als die notwendige Unterschriftenzahl zusammenkam und das endguÌltige Volksbegehren hĂ€tte stattfinden muÌssen, kam von Klaus Wowereit an seinen treuergebenen Innensenator Ehrhart Körting, SPD, eine Anweisung â und dieser lieĂ nachtrĂ€glich die Kernpunkte âLuftfahrtâ und âAusweichflughafenâ kurzerhand aus dem bereits gestarteten Volksbegehren-Verfahren entfernen. So etwas nennt man gerade heraus Manipulation.
Wer sich einmischt, bekommt unangenehmen Besuch
Auch Berliner Unternehmen bekamen die Machtkontrolle von Klaus Wowereit zu spuÌren. Diejenigen Firmen, die die Abstimmungen zu Tempelhof mit Sponsorgeldern unterstuÌtzen, hatten im Anschluss nach eigenen Angaben auffallend hĂ€ufig die SteuerpruÌfung im Haus. Mit besonderer HĂ€rte traf die DuÌnnhĂ€utigkeit des Regierenden BuÌrgermeisters beim Thema Tempelhof diejenigen Unternehmen der Luftfahrt, die sich fuÌr ein zukunftsfĂ€higes Gesamtkonzept vor Ort engagierten. Private Webseitenbetreiber, die im Internet ihre persönliche Sicht der Dinge zu Wowereit und seiner Politik Ă€uĂerten, bekamen es mit einer ganzen Armada von Wowereit-AnwĂ€lten zu tun, verbunden mit hohen Kosten und angekuÌndigten Gerichtsverfahren. EinschuÌchtern, Drohen, Machtkontrolle und Manipulation â sind das die Merkmale der Wowereitpolitik?
Der Flughafen-Skandal
Klaus Wowereit ist Chef der Berliner SPD, Chef der Landesregierung, Chef der Berliner Verwaltung und gleichzeitig auch Aufsichtsrats-Chef der Berliner FlughĂ€fen sowie des BBI-Projektes in Schönefeld. Eine auffĂ€llige AnhĂ€ufung von Posten, die es möglich machten, dass der Regierende BuÌrgermeister quasi im Alleingang und ungefragt uÌber das Schicksal Tempelhofs entscheiden konnte. Er musste auch niemanden fragen, als er seiner eigenen âFirmaâ, die Berliner Flughafen GmbH, den Befehl gab, Tempelhof stillzulegen. Er musste weiterhin niemanden fragen oder um Erlaubnis bitten, als er entschied, dass Tegel dringend geschlossen werden muÌsse.
Klaus Wowereit hat immer argumentiert, dass eine SchlieĂung Tempelhofs fuÌr die Planungssicherheit von BBI notwendig sei. Stimmt das denn uÌberhaupt?
Garniert wurden seine SchlieĂungsplĂ€ne mit dem angeblich hohen Sicherheitsrisiko, der LĂ€rmbelastung fuÌr die Anwohner. Hatte er sie jemals gefragt? Klaus Wowereit hatte noch nie irgendjemanden gefragt.
Fakt ist jedoch: Im sogenannten Konsensbeschluss von 1996, der unter dem damaligen BuÌrgermeister
Eberhard Diepgen, CDU, verfasst und unterschrieben wurde, stand lediglich, dass bei einer Eröffnung von BBI die anderen Flughafenstandorte Tegel und Tempelhof geschlossen werden âkönnenâ und nicht âmuÌssenâ.
Es hĂ€tte zu einer weisen und vorausschauenden Politik gehört, sich fuÌr Berlin einen eigenen Luftfahrt-Plan âBâ zurecht zulegen, falls sich einmal die Entwicklung des Luftverkehrs in der Hauptstadtregion verĂ€ndern sollte. Doch Klaus Wowereit mit der MentalitĂ€t eines skrupellosen Casino-Besuchers braucht keinen Plan âBâ â er setzte alles auf eine Karte und zog sein Spiel gnadenlos durch.
Auch im Roten Rathaus selbst hatte er keine Gegenwehr in den entscheidenen Abteilungen zu befĂŒrchten: Denn die Vermischung von PrivatsphĂ€re und Amtsfunktion im fuÌr den Fall Tempelhof so zentralen Rathaus-Ressort âLuftfahrtâ war fuÌr Wowereit durchaus kein Tabu.
Hatte die freundschaftliche und private Beziehung zur unteren Mitarbeiterebene eine möglicherweise besondere Auswirkung auf den ungestörten und reibungslosen SchlieĂungsprozess des Zentralflughafens? Bei einem internen persönlichen GesprĂ€ch hat die Berliner Senatskanzlei uÌbrigens eingestanden, dass die SchlieĂung Tempelhofs eine âForm unserer Interpretation der Sachlageâ war.
Wie kann eine solche wichtige Entscheidung allein auf einer âInterpretationâ beruhen? Jeder erfolgreiche und verantwortungsvolle Unternehmer lĂ€sst sich unzĂ€hlige Berater kommen und kann nĂ€chtelang nicht schlafen, ehe er die Entscheidung fuÌr die Aufgabe seines Firmenstandortes fĂ€llt. Und Klaus Wowereit? Sie werden es ahnenâŠ
Klaus Wowereit brauchte natuÌrlich keine Berater, als er Tempelhof fuÌr immer schloss. Und gut geschlafen hat er auch.
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Sunday, 8. March 2009
Pro Reli: Strafanzeige gegen Senat
Der Vorsitzende der neu gegrĂŒndeten "Tempelhof-Partei", Wolfgang Przewieslik, hat Strafanzeige gegen den Senat wegen Untreue zu Lasten des Landeshaushaltes erstattet.
Dabei gehe es um den separaten Termin fĂŒr den Pro-Reli-Volksentscheid am 26. April, der Mehrkosten in Höhe von 1,4 Millionen Euro verursache. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft bestĂ€tigte den Eingang der Anzeige.
Der Senat hat den Termin fĂŒr den Volksentscheid zur EinfĂŒhrung eines Wahlpflichtfachs Religion/Ethik auf den 26. April festgesetzt. Dagegen plĂ€dieren die TrĂ€ger des Volksentscheides und ihre UnterstĂŒtzer wie Kirchen, CDU und FDP dafĂŒr, ihn an die Europawahl am 7. Juni zu koppeln. Przewieslik kritisierte, "der geradezu sorglose Umgang mit kostbaren Haushaltsmitteln ist nicht akzeptabel".
Quelle: MorgenĂŒost - Sonntag, 8. MĂ€rz 2009





